Gefahr durch Fehlinterpretationen

Spiegel: Brunsbüttel-Explosion war "gravierendster Unfall in einem deutschen Atomkraftwerk"

Mit der Überschrift "Wie eine Handgranate" hat das Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" heute weitere Einzelheizen zur Explosion im HEW-Kernkraftwerk Brunsbüttel im Dezember 2001 veröffentlicht. Die Schlussfolgerungen lassen an der Fachkunde und Zuverlässigkeit des Betreibers zweifeln und müssten mindestens zu personellen Konsequenzen führen.

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Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hat neue Einzelheiten zum Hergang der Explosion im HEW-Kernkraftwerk Brunsbüttel am 14. Dezember vergangenen Jahres aufgedeckt. Nur eine Reihe von Zufällen hat nach Spiegel-Angaben verhindert, dass eine radioaktiv belastete Wolke innerhalb von Minuten das 34 000 Einwohner zählende Itzehoe und die Millionenstädte Hamburg und Kiel erreichte.

Das Ereignis vom 14. Dezember, dass "Der Spiegel" als "bisher gravierendsten Unfall in einem deutschen Atomkraftwerk" bezeichnet, wurde von den Betreibern eine ganze Zeit lang als "spontane Dichtungsleckage" beurteilt und als "Routineproblem" behandelt. Neuste Untersuchungen der Wasserstoffexplosion, die im Sicherheitsbehälter des Siedewasserreaktor Brunsbüttel eine Rohrleitung über etwa drei Meter völlig zerfetzte, ergaben jedoch ein weitaus gefährlicheres Schreckenszenario. Wäre das Rohr nicht durch eine simple Rückschlagkappe geschützt worden, hätte es an einer verwundbaren Stelle explodieren und damit den Weg für den Austritt von radioaktivem Dampf frei machen können.

"Der Spiegel" moniert insbesondere, dass die HEW-Verantwortlichen bewusst die harmloseste Variante aller denkbaren Erklärungen unterstellt haben. Die Schlussfolgerung des renommierten Nachrichtenmagazins: "Sollte sich der Verdacht im Zuge der offiziell angeordneten Mitarbeiterbefragung erhärten, stünde erstmals in Deutschland die vom Atomgesetz zwingend vorgeschriebene Fachkunde und Zuverlässigkeit eines Betreibers ernsthaft zur Disposition. Mögliche Folgen: Die Lizenz könnte entzogen oder das verantwortliche Personal ausgetauscht werden."