Energiekonzept

SPD: Stromversorgung auch ohne Atommeiler Biblis gesichert [Upd.]

Die hessische SPD hält ein Abschalten der beiden Biblis-Atomreaktoren für möglich, ohne dass ersatzweise neue Kohle- oder Gaskraftwerke gebaut werden müssen. Dies gehe aus einem Konzept hervor, das der SPD-Bundestagsabgeordnete und Träger des Alternativen Nobelpreises, Hermann Scheer, erarbeitet hat.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Wiesbaden (ddp-hes/sm) - Um die von Biblis jährlich produzierten 17 Milliarden Kilowattstunden zu ersetzen, müssten landesweit lediglich 1700 Windräder oder andere Anlagen für erneuerbare Energien errichtet werden, heißt es darin. Bei der Vorstellung des 42-seitigen Konzepts "Neue Energie für ein atomfreies Hessen" am Donnerstag in Wiesbaden betonte Scheer, dass rein rechnerisch damit auf jeweils 15 Quadratkilometern eine Anlage aufgestellt werden müsse. Im Gegenzug könnten Tausende Hochspannungsmasten und -leitungen abgebaut werden.

Bislang erzeugen die beiden Reaktorblöcke von Biblis rechnerisch knapp 60 Prozent des Stroms in Hessen. Nach dem von der früheren rot-grünen Bundesregierung mit der Energiewirtschaft ausgehandelten Atomkonsens müsste Biblis A im Herbst 2008 vom Netz gehen. Für Biblis B wäre ein Jahr später Schluss. Der Energiekonzern und Betreiber RWE will jedoch die Laufzeit seiner Reaktoren verlängern und hat dazu für Block A bereits einen Antrag gestellt.

Der Berechnung Scheers zufolge könnte nicht nur die von Biblis produzierte Strommenge durch erneuerbare Energien ersetzt werden. Bei entsprechender Förderung des Ökostroms sei es möglich, bis 2012 noch fünf weitere Atomkraftwerke vom Netz zu nehmen, ohne dass dafür die Belastung mit klimaschädlichen Kohlendioxid steigen würde.

Scheer sagte weiter, ein Ausbau erneuerbarer Energien werde nicht nur Zehntausende neue Arbeitsplätze in Hessen bringen. Dies wäre auch ein wirksames Mittel, um die Oligopolstruktur im deutschen Energiewesen aufzubrechen. Die Marktmacht der vier großen Stromkonzerne in Deutschland sei der Hauptgrund für Preissteigerungen.

Nach Einschätzung von Scheer und SPD-Landeschefin Andrea Ypsilanti scheitert der Ausbau der erneuerbaren Energien in Hessen derzeit an einer Blockadehaltung der Landesregierung. So habe die Regierung in Nordhessen nahezu 100 Prozent der dortigen Landesfläche zum Ausschlussgebiet für Windkraftnutzung erklärt. Tatsächlich sei aber fast die gesamte Landesfläche geeignet zur Stromerzeugung durch Windkraft.

Mit seinem Papier knüpft Scheer an ein Konzept an, das er vor zwei Jahren für den US-Bundesstaat Kalifornien erstellte. Dessen Gouverneur Arnold Schwarzenegger will nun erreichen, dass 2020 ein Drittel des Stroms in Kalifornien durch erneuerbare Energien gedeckt wird. Die Ankündigung Schwarzeneggers hatte kürzlich für weltweites Aufhorchen gesorgt.

Ypsilanti will im Falle eines Sieges bei der Landtagswahl 2008 ein Programm zum Ausbau erneuerbarer Energien auf den Weg bringen. Bestehende Unternehmen und Forschungseinrichtungen für erneuerbare Energien sollen vom Land mit Krediten und Bürgschaften gefördert werden.

Weiterführende Links
  • Die Grundlinien des hessischen Landesenergieprogramms (PDF; ca. 187kB)