Nebentätigkeiten

SPD kritisiert Atomlobby in den eigenen Reihen

"Ungenierten Lobbyismus" wirft die Spitze der SPD-Bundestagsfraktion diversen Kernkraftbefürwortern aus den eigenen Reihen vor. Von acht Befürwortern für längere Laufzeiten deutscher Atomkraftwerke hätten sieben eine Nebentätigkeit in der Atomindustrie inne.

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Köln (ddp/sm). Die Spitze der SPD-Bundestagsfraktion wirft Atomkraftbefürwortern aus den eigenen Reihen ungenierten Lobbyismus vor. "Es handelt sich um Menschen, die dafür bezahlt werden, dass sie für Atomkraft sind", sagte Fraktionsvize Ulrich Kelber dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Freitagausgabe). Mit dieser scharfen Kritik reagierte Kelber auf Äußerungen des SPD-Politikers Rolf Linkohr, der in der Tageszeitung "Die Welt" eindeutig für die Kernkraft Stellung bezogen hatte. "Atomenergie ist nützlich und ganz schwer zu ersetzen", sagte Linkohr, der seit seinem Ausscheiden aus dem EU-Parlament 2005 Sonderberater der EU-Energiekommission ist.

"Herr Linkohr sitzt im Aufsichtsrat des Atomkraftbetreibers Vattenfall, er ist Beirat im Energiekonzern EnBW, und er sollte aufgrund dieser Funktionen äußerste politische Zurückhaltung üben", entgegnete Kelber.

Bereits im Januar 2006 hatte Linkohr in einem Thesenpapier längere Laufzeiten für deutsche Atomkraftwerke gefordert. Das Papier ist von acht weiteren Sozialdemokraten unterschrieben worden, die nach Kelbers Angaben bis auf eine Ausnahme sämtlich Nebentätigkeiten in der Atomindustrie ausüben.