Buchvorstellung

Spannend: Energie für die Zukunft

Der Financial Times Deutschland-Redakteur Olaf Preuß hat ein ambitioniertes Buch darüber geschrieben, dass Deutschland einen Strukturwandel in der Energiewirtschaft - weg von Importabhängigkeit und hin zu mehr Energieeffizienz und erneuerbaren Energien - dringend vorantreiben muss. Und er begründet das auch sehr plausibel.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Wiesbaden/Wetzlar (red) - Energie ist momentan so teuer wie nie. Die Verbraucher stöhnen, die energieintensive Industrie sieht sich in ihrer Existenz bedroht und Politiker aller Parteien fordern eine Abkehr vom Öl - wenn auch mit unterschiedlichen Alternativvorstellungen. Und dabei könnte alles so einfach sein: "Der effiziente Einsatz der Energieträger und der Ausbau erneuerbarer Energien sind die Doppelstrategie für eine nachhaltige Energieversorgung".

Dieser Satz stammt von Gerhard Schröder und findet sich (u.a.) in dem neuen Buch des Journalisten Olaf Preuß. Es heißt "Energie für die Zukunft" und schildert, welche Anreize und Bedingungen nötig sind, um die Energieversorgung in Deutschland zu sichern und gleichzeitig umweltfreundlicher zu gestalten. Preuß teilt die Meinung des (ehemaligen) Bundeskanzlers und ist sich sicher, dass Deutschland alle nötigen Ressourcen besitzt, diese "Doppelstrategie" umzusetzen.

Dass diese "Kehrtwende" dringend nötig ist, beschreibt der Financial Times Deutschland-Redakteur in elf Kapiteln, die sich zum Teil lesen wie ein Wirtschaftskrimi, etwa wenn Preuß die Geschehnisse beim Atomkraftwerksunfall in Harrisburg im März 1979 rekonstruiert oder wenn er dem Leser russische Gasmanager vorstellt. Spätestens nach dem Lesen des Buches muss jedem klar sein, dass die auf Kohle, Öl, Gas und Kernkraft basierende Energieversorgung schon jetzt an ihre Grenzen stößt, und dass die ohnehin endlichen Rohstoff-Reserven hauptsächlich in politisch instabilen Regionen lagern. Hinzu kommen die Verschmutzung der Umwelt durch die Verbrennung von Kohle und die stete Gefahr bei der Lagerung von radioaktivem Müll.

So geht Preuß, der beim Wiesbadener Kurier volontierte, bevor er zur Hamburger Journalistenschule und später zum "Spiegel" wechselte, denn äußerst nachvollziehbar der Frage nach, was die Staatengemeinschaft tun kann, um die Sonne stärker zu nutzen, das Klima mehr zu schützen und die Wirtschaft zu stärken. Als Eckpfeiler künftiger Energiewirtschaft stellt er folgende auf: Vertretbare Preise, sichere Versorgung, weniger Abhängigkeit von Energieimporten, ein geringerer Energieverbrauch und weniger Ausstoß von Klimagasen. Dazu fordert er u.a. mehr Mittel zur Erforschung neuer Technologien, mehr Motivation zum Energiesparen und mehr politische Unterstützung für erneuerbare Energien.

Man merkt dem Buch an, dass es dem Autor ein persönliches Anliegen ist, wachzurütteln und den Strukturwandel voranzutreiben. Folgt man seiner Argumentation, hat Deutschland (und die Welt) keine andere Wahl, als Energie künftig effizienter zu nutzen und mit dem Ausbau erneuerbarer Energien ein Fundament für neue Industrien und ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu schaffen. Die von Preuß akribisch zusammengetragenen Details, etwa zur Importabhängigkeit von Erdgas, zu den verbleibenden Erdölreserven, zum Energiededarf von China, zur steigenden Zahl von Klimakatastrophen, zur Halbwertszeit von Uran und zum Kohlendioxidausstoß von Kohlekraftwerken, sprechen eine deutliche Sprache. Und so eignet sich das plausible und kurzweilige Buch nicht nur für energieinteressierte Leser, sondern ist auch eine empfehlenswerte Lektüre für alle, die ihren Kindern eine lebenswerte Welt hinterlassen wollen.

Olaf Preuß: "Energie für die Zukunft. Die Sonne nutzen. Das Klima schützen. Die Wirtschaft stärken." Wiesbaden: Gabler-Verlag 2005. 200 Seiten, 29,90 Euro. Hier bei amazon bestellen.