Blick über Ländergrenzen

Spanien will Strommarkt 2003 voll öffnen

Der Verband der Elektrizitätswirtschaft bilanziert die bisherigen Öffnungen der Strommärkte in der Europäischen Union und kommt zu dem Ergebnis, dass es ein "Europa der zwei Geschwindigkeiten" gibt. Nach Finnland, Großbritannien, Schweden, Österreich und Deutschland will nun auch Spanien komplett öffnen.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Spanien will den Stromwettbewerb beschleunigen: Ab dem kommenden Jahr sollen alle spanischen Verbraucher ihren Stromlieferanten frei wählen können. Das erklärt José María Amusátegui de la Cierva, Präsident des Verbandes der spanischen Elektrizitätswirtschaft (UNESA) im VDEW-Jahresbericht 2001.

Spanien wäre das sechste Land der EU, dessen Strommarkt vollständig geöffnet würde, erläutert der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW). In Deutschland sei der Wettbewerb im Strommarkt 1998 ohne Übergangsfristen für alle Kunden eingeführt worden. Außerdem seien die Strommärkte in Finnland, Großbritannien, Schweden und Österreich zu 100 Prozent liberalisiert.

Europa der zwei Geschwindigkeiten

Die EU-Richtlinie sehe bisher lediglich eine stufenweise Marktöffnung vor: Bis 2000 sollten die EU-Staaten ihre Strommärkte zu 28 Prozent, bis 2003 zu 33 Prozent öffnen. Zur Beschleunigung der Liberalisierung wird von der Europäischen Kommission die Öffnung für gewerbliche Kunden bis 2003 gefordert, erläutert VDEW. Die vollständige Öffnung für alle Verbraucher werde für 2005 diskutiert.

Qualitätssicherung im Wettbewerb

Spanien habe mit dem 1997 verabschiedeten Elektrizitätsgesetz die Voraussetzungen für den Stromwettbewerb geschaffen. Dies geschah unter Berücksichtigung von Umweltschutz und hoher Qualität der Stromversorgung, betont Amusátegui de la Cierva.

Der Wille zur Marktöffnung, der das spanische Modell präge, zeige sich vor allem in den Vorschriften zur Liberalisierung in der Stromerzeugung, dem Pool-Handelssystem und der 100-prozentigen Marktöffnung bis 2003. Auch der Einstieg ausländischer Unternehmen in den spanischen Strommarkt habe die Liberalisierung beschleunigt.

Im Wettbewerb sind die spanischen Strompreise stark gefallen, ermittelte UNESA. Zwischen 1997 und 2002 sei der Durchschnittspreis nominal um 17 Prozent und real um 28 Prozent gesunken. Spanien liege damit sowohl bei den Haushaltskunden als auch bei den Industriekunden im EU-Vergleich im unteren Bereich.

Es sei vorgesehen bis 2003 einen integrierten Markt gemeinsam mit Portugal auf der Iberischen Halbinsel aufzubauen, der im Austausch mit den übrigen EU-Mitgliedsländern stehen soll. Die Verbindung der nationalen Energienetze sei ein wichtiger Schlüssel in diesem Prozess.