Unklarheiten

Späte Aufklärung über Abschaltung eines Forschungsreaktors

Nach einer vorübergehenden Abschaltung des Forschungsreaktors FRM II in Garching bei München, die jetzt erst bekannt wurde, verlangt die Landtagsopposition von der Landesregierung Aufklärung. In dem Reaktor werden unter anderem Radioisotope zur Tumordiagnose hergestellt. Angeblich habe keine Gefahr bestanden.

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Garching (dapd/red) - "Dieser Fall ist nach unseren Kenntnissen bislang bayernweit einzigartig", teilte der energiepolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Ludwig Hartmann, am Freitag in München mit. Die SPD-Fraktion kritisierte eine "unbefriedigende" Information der Öffentlichkeit. Das Umweltministerium wies die Vorwürfe zurück.

Überschreitung des Jahresgrenzwerts drohte

Der Reaktor der Technischen Universität München (TUM) war nach Angaben des Betreibers am 9. November vorsorglich abgefahren und erst am 6. Dezember wieder hochgefahren worden, weil bei laufendem Betrieb so hohe Emissionen eines radioaktiven Kohlenstoffs abgegeben worden wären, dass eine Überschreitung des Jahresgrenzwerts drohte.

Eine Sprecherin des Bayerischen Umweltministeriums stellte am Freitag klar, der Sachverhalt biete wenig Potenzial für eine Verunsicherung der Bürger. "Es bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für Mensch und Natur. Die Grenzwerte wurden eingehalten."

"Ignorantes Verhalten der Betreiber"

Der energiepolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Ludwig Wörner, stellte einen Berichtsantrag und forderte Informationen. "Wir wollen endgültige Aufklärung darüber, welche Mängel und Schwächen zur Abschaltung des Reaktors geführt haben", betonte Wörner. Auch die Grünen reichten im Landtag eine offizielle Anfrage zur Klärung der Vorgänge ein. Hartmann führte an, die Veröffentlichungspolitik belege "ignorantes Verhalten der Betreiber". Die Probleme seien verheimlicht worden, eine Pressemitteilung dazu finde sich nur im Archiv der Webseite, statt auf der Seite mit den aktuellen Meldungen.