Nach Abschaltung

Sozialministerin erlaubt Wiederanfahren von Brunsbüttel

Das schleswig-holsteinische Sozialministerium hat am Samstag die Erlaubnis zum Wiederanfahren des Atomkraftwerkes Brunsbüttel gegeben, der abgeschaltete Reaktor ging am Sonntagnachmittag wieder ans Netz. Das AKW Krümmel bleibt Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) zufolge bis auf weiteres vom Netz.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Geesthacht (ddp/sm) - Die schleswig-holsteinische Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) hatte sich am Samstagnachmittag in Kiel vom Betreiber Vattenfall sowie externen und internen Fachleuten über den aktuellen Stand in den Kraftwerken Krümmel und Brunsbüttel informieren lassen. Die Überprüfung von möglicherweise sicherheitsrelevanten Auffälligkeiten bei der Abschaltung habe ergeben, "dass diese Auffälligkeiten nach durchgeführten Abhilfemaßnahmen keinen Einfluss mehr auf die Sicherheit des Kernkraftwerks haben", begründete die Ministerin ihre Erlaubnis zum Wiederanfahren.

Im Zuge der Analyse der Ereignisse in Brunsbüttel und Krümmel hätten sich "gewichtige Fragen im Zusammenhang mit dem Zustand der Stromnetze ergeben", sagte Trauernicht. Es habe Probleme gegeben, die eigentlich nicht hätten auftreten sollen. Sie habe deshalb Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) in einem Brief aufgefordert, das Thema beim Energiegipfel am Dienstag anzusprechen.

Greenpeace fordert endgültige Abschaltung

Die Umweltorganisation Greenpeace kritisierte Trauernicht scharf. "Frau Trauernicht irrt, wenn sie keine 'sicherheitstechnischen Einwände' gegen das Wiederanfahren des Uraltmeilers Brunsbüttel sieht", sagte der Greenpeace-Atomexperte Thomas Breuer. Das AKW sei eines "der ältesten und gefährlichsten" in Deutschland. Es sei besonders störanfällig und gehöre endgültig abgeschaltet. Breuer betonte, die Ministerin sei für die Sicherheit der Bevölkerung verantwortlich und nicht für die Gewinne von Vattenfall, "um die es wohl bei diesem Schnellschuss der Wiederanschaltung geht".

Demo gegen Atomkraft vor AKW Krümmel

Gegen die Atomkraft demonstrierten am Sonntagnachmittag rund 100 Menschen bei einer von mehreren Anti-Atomkraft-Initiativen und Umweltverbänden initiierten Kundgebung vor dem AKW Krümmel. Bereits am Samstagmittag ankerte in Sichtweite des Meilers das Schiff "Beluga II" der Umweltorganisation Greenpeace. Zwischen den Masten hing einem Sprecher zufolge ein Banner mit der Aufschrift "Frau Merkel: Wir brauchen keine gefährliche Atomkraft!" Der Slogan wurde in der Nacht auf Sonntag auch auf das AKW projiziert. Das Schiff soll bis zum Abschluss des Energiegipfels am Dienstag vor dem AKW liegen.