Über Kyoto hinaus

Sondergutachten zum Klimaschutz vorgelegt

Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung "Globale Umweltveränderungen" hat in dem Sondergutachten "Über Kyoto hinausdenken - Klimaschutzstrategien für das 21. Jahrhundert" gefordert, den Klimaschutz dauerhaft international zu verhandeln. Zudem müssten die vereinbarten Klimaschutzziele deutlich höher als bisher gesetzt werden.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

"Auch wenn es jetzt darauf ankommt, dass das Kyoto-Protokoll in Kraft tritt und umgesetzt wird, müssen wir schon heute darüber nachdenken, wie die nächsten Schritte aussehen", sagte Bundesumweltminister Jürgen Trittin gestern bei der Übergabe eines Sondergutachtens zum Klimaschutz. Mittel- und langfristig seien weit stärkere Emissionsminderungen notwendig, um Klimaänderungen wirksam zu verhindern. Aufgabe der Forschung sei es, ergänzte Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn, möglichst schnell innovative Konzepte für einen nachhaltigen Klimaschutz auf den Weg zu bringen.

Mit dem Sondergutachten "Über Kyoto hinausdenken - Klimaschutzstrategien für das 21. Jahrhundert" bestätigt der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung "Globale Umweltveränderungen" die dringliche Aufgabe des Klimaschutzes, der nicht beim Kyoto-Protokoll enden dürfe. Klimaschutz sei eine Jahrhundertaufgabe, sagte Hartmut Graßl vom Max-Planck-Institut Hamburg bei der Vorstellung des Gutachtens. Deshalb müsse über Klimaschutz dauerhaft international verhandelt werden.

Die Wissenschaftler betonen in ihrem Gutachten, dass gefährliche Klimaänderungen nur noch vermeidbar seien, wenn die derzeit international vereinbarten Klimaschutzziele deutlich höher als bisher gesetzt würden. Insbesondere müsse der vom Menschen verursachte Ausstoß von Kohlendioxid bis 2050 global um etwa 45 bis 60 Prozent gegenüber 1990 gesenkt werden. Dies bedeute, dass die Industrieländer ihren Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 um mindestens 20 Prozent verringern müssten. Bisher haben sich die Industrieländer darauf verpflichtet, die Emissionen bezogen auf 1990 um fünf Prozent zu reduzieren.

Bundesumweltminister Trittin sagte, die Koalitionsparteien hätten sich bereits auf eine weitere Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes in Deutschland verständigt. So solle der Kohlendioxid-Ausstoß bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 gemindert werden, wenn die Europäische Union sich insgesamt zu einer Minderung um 30 Prozent verpflichte und andere Staaten ähnlich ehrgeizige Ziele übernähmen.

Deutschland als Hochtechnologieland habe gute Voraussetzungen, um die Herausforderungen des Klimaschutzes auf technologischem und sozioökonomischem Gebiet zu bewältigen, erklärte Bundesbildungsministerin Bulmahn. In Zukunft werde die Forschung verstärkt auch Strategien für einen nachhaltigen Klimaschutz im Bereich der Wirtschaft und der ganzen Gesellschaft liefern. "Diese wichtige Herausforderung zum Schutze der Umwelt und für die nachhaltige Entwicklung wird die Bildungs- und Forschungspolitik annehmen", so Bulmahn. Auch Graßl sprach sich für ein Zusammenwirken mehrere Politikbereiche aus. Klimaschutzpolitik müsse immer im Zusammenhang mit einer Nachhaltigkeitspolitik gesehen werden, in der die verschiedenen Politikfelder zusammenwirkten.