In Dresden

Solarwatt expandiert weiter

Die Dresdner Solarwatt AG hat sich für die kommenden Jahre viel vorgenommen. Bis Jahresende entsteht nach Auskunft von Geschäftsführer Lothar Schlegel in Dresden-Klotzsche ein neues Büro- und Fertigungsgebäude mit 4000 Quadratmetern Produktionsfläche, das 2007 den vollen Betrieb aufnehmen soll.

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Dresden (ddp-lsc/sm) - Dazu sagt der Solarwatt-Chef: "Wir planen die Einstellung von 100 zusätzlichen Mitarbeitern und ab 2008 einen Umsatzsprung auf jährlich rund 180 Millionen Euro."

Acht Millionen Euro kostet Schlegel zufolge der Neubau, den das Unternehmen dann auf Leasing-Basis nutzen will. Bereits jetzt verzeichne Solarwatt jährlich zweistellige Umsatzsteigerungen auf zuletzt 110 Millionen Euro, betont Schlegel. 350 Mitarbeiter arbeiten derzeit in Klotzsche, darunter 15 Lehrlinge. Der Solarwatt-Chef ist stolz auf die eigene Nachwuchsförderung. Zu den Ausbildungsplätzen im Haus kommen Patenschaften für Dresdner Studenten, die an den Betrieb gebunden werden sollen. Die geplanten Neueinstellungen seien daher überwiegend "Eigengewächse".

Solarwatt sei der einzige nennenswerte Hersteller von Photovoltaikanlagen in Sachsen, erläutert der Firmenchef. Die Produktpalette umfasst Anlagen bis 1,2 Megawatt, die im Haus konzipiert und hergestellt werden. Dabei handelt es sich entweder um Dachanlagen, die den Eigenbedarf des Kunden mit Strom decken, oder um komplette Solarkraftwerke. Die Installation vor Ort werde ausschließlich von Spezialbetrieben vorgenommen. Nur im Ausnahmefall bilde man einer Arbeitsgemeinschaft mit einer Installationsfirma. Letzte Großaufträge waren eine Dachanlage für das neue zentrale Auslieferungszentrum von BMW in München sowie eine 1,2 Megawatt-Anlage auf einer freien Industriefläche in Chemnitz.

Sorgen bereitet Schlegel die Verknappung von Reinstsilicium auf dem Weltmarkt. "Es handelt sich nicht um einen generellen Rohstoffmangel. Der Weltmarkt werde vielmehr von wenigen Anbietern beherrscht, die durch gezielte Verknappung des Angebots die Preise künstlich hochhalten." Solarwatt hat daraus erste Konsequenzen gezogen. Im November übernahm man einen Solarzellen-Hersteller in Heilbronn am Neckar. Dieser deckt mit 70 Mitarbeitern unter dem Namen Solarwatt Cells bereits knapp zehn Prozent des Eigenbedarfs. Verbunden war die Übernahme mit der Umwandlung der Firmengruppe von einer GmbH in eine nicht-börsennotierte Aktiengesellschaft.

Der gegenwärtige Boom in der Solartechnik ist für Schlegel keine "Luftblase". Der Anstieg der Aktienkurse der Branche in letzter Zeit spiegele vielmehr den realen Wert der Unternehmen wider. Vergleiche mit dem Neuen Markt seien daher unangebracht. Es kündige sich zudem eine umfassende Umstrukturierung des Energiemarkts in den kommenden 50 Jahren an. Selbst das "Boomland" China setzte bereits jetzt auf erneuerbare Energien wie Wind-, Solar- und Wasserkraft.

"China ist auch für uns ein wichtiger Zukunftsmarkt. Das gilt nicht nur für den Export von Photovoltaikanlagen, sondern auch für den Techniktransfer", sagt Schlegel. Derzeit liegt der Exportanteil bei etwa zwölf Prozent. Die Kunden kommen überwiegend aus Westeuropa. Osteuropa habe dagegen noch zu viele Anpassungsprobleme an die Marktwirtschaft. Dies gelte nicht nur auch für die neuen EU-Mitglieder. Auch der Export in die USA komme kaum voran. Das Umdenken und die Akzeptanz von Sonnenenergie stecke dort noch im Anfangsstadium.

Die "Erfolgsstory" von Solarwatt begann im Februar 1993. Schlegel und sein Partner Frank Schneider arbeiteten viele Jahr im Zentrum Mikroelektronik Dresden (ZMD), bevor man den Sprung in die Selbstständigkeit wagte. Ohne den jetzigen Neubau wurden bereits sechs Millionen Euro am Standort in Klotzsche investiert.

Von ddp-Korrespondent Ernst W. Raymund