Solar Valley

Solarstadt Frankfurt: Gabriel weihte Solarfabrik an der Oder ein (Upd.)

Frankfurt (Oder) ist seit Montag Solarstadt: Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD), Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) und US-Botschafter William R. Timken jr. drückten in der nagelneuen Produktionshalle der US-Firma First Solar gemeinsam mit der Unternehmensspitze den roten Startknopf.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Frankfurt a.d. Oder (ddp-lbg/sm) - Damit wurde die Produktion von Solarmodulen, die in den vergangenen Wochen schon im Testbetrieb lief, auch offiziell aufgenommen. Die acht Fußballfelder große Halle im Frankfurter Vorort Markendorf unweit der Autobahn 12 sei die weltweit modernste Fabrik für Dünnschicht-Solarmodule, sagte der Geschäftsführer der First Solar Manufacturing GmbH, Heiner Eichermüller. Auf vier Linien sollen künftig Module mit einer Gesamtkapazität von 120 Megawatt im Jahr produziert werden. Damit könne man rund 30.000 Haushalte - also fast eine Stadt wie Frankfurt (Oder) - mit Strom versorgen. Die volle Produktionskapazität solle bis Ende September erreicht werden.

Die 115-Millionen-Euro-Investition wurde in der Rekordzeit von 15 Monaten hochgezogen. "Wir haben alles, was wir versprochen haben, eingehalten", sagte Eichermüller mit Verweis auf die über 400 geschaffenen Arbeitsplätze. Umweltschutz sei kein Hindernis für wirtschaftliches Wachstum, sondern schaffe im Gegenteil Arbeitsplätze mit Zukunft, lobte Umweltminister Gabriel. First Solar sei ein Beispiel dafür. Zudem sei die Fabrik ein Beleg für die Effekte des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG).

Auch der aus den USA angereiste First-Solar-Präsident Bruce Sohn nannte als Hauptgrund für die Investition in Deutschland das EEG, das umweltfreundliche Energien konsequent fördere. Deutschland sei heute weltweit größter Markt für Solarenergie. So wird First Solar laut Eichermüller allein 550.000 Solarmodule ins sächsische Brandis liefern, wo eines der weltgrößten Solarkraftwerke entstehe. Überhaupt wird ein Großteil der Produktion nach Unternehmensangaben in Deutschland bleiben.

Auch die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte habe für den Standort Frankfurt gesprochen, sagte Eichermüller. Ein Drittel der Mitarbeiter sei aus der Arbeitslosigkeit zu First Solar gewechselt, rund zehn Prozent seien frühere Frankfurter, die wieder heimkehrten. Er habe einen enormen Stimmungswandel in der Stadt erlebt: Während noch vor einem Jahr - angesichts der Pleite des Chipfabrikprojekts Ende 2003 - Skepsis vorherrschte, sei die Stimmung heute komplett anders. Zu kritischen Tönen von Gewerkschaften über die Einkommen erwiderte er, dass First Solar "weit mehr" als die als Mindestlohn geforderten 7,50 Euro zahle.

"Sie haben den Menschen dieser Stadt neue Hoffnung gegeben", sagte Oberbürgermeister Martin Patzelt (CDU). Zumal nur wenige Kilometer entfernt in der zuvor nie genutzten Chipfabrikhalle die Hamburger Conergy AG eine weitere Solarfabrik errichtet, in der klassische Solarzellen auf Siliziumbasis mit einer Jahreskapazität von sogar 250 Megawatt gefertigt werden sollen. Die kleinere Odersun AG hatte bereits im April ihre Produktion flexibler Dünnschicht-Solarzellen begonnen. In Anbetracht dieser Entwicklung bezeichnete US-Botschafter Timken ganz Ostdeutschland schon als "Solar Valley".