Boomende Zukunftsbranche

Solarbranche nimmt möglichen Regierungswechsel gelassen

Die Furcht vor einem möglichen Regierungswechsel im September ist in der Solarwirtschaft gewichen. Bei den führenden deutschen Solarunternehmen geben sich derzeit Wahlkämpfer aller Parteien die Klinke in die Hand, um vom modernen Image der Sonnenbranche zu profitieren.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (ddp/sm) - Selbstbewusstsein prägt in diesen Tagen die Stimmung in der deutschen Solarindustrie. "Wir vertreten eine boomende Zukunftsbranche mit hohen Exportraten und 30 000 Arbeitsplätzen", sagt etwa der Vorstandssprecher der SolarWorld AG, Frank Asbeck. Asbeck glaubt, dass dies mittlerweile auch die Energiepolitiker von Union und FDP erkannt haben. Bei den führenden deutschen Solarunternehmen geben sich derzeit Wahlkämpfer aller Parteien die Klinke in die Hand, um vom modernen Image der Sonnenbranche zu profitieren.

Die Furcht vor einem möglichen Regierungswechsel im September ist in der Solarwirtschaft längst gewichen. "Wir gehen davon aus, dass die Förderung der Sonnenenergie auch bei einer anderen Koalition beibehalten wird", sagte der Sprecher der Unternehmensvereinigung Solarwirtschaft (UVS), Bernd Schüßler. Die Börse sieht dies offenbar ähnlich. Nach dem kurzen, aber drastischen Einbruch der Solar-Aktien nach der Wahl-Ankündigung Ende Mai, verbuchen SolarWorld, Conergy, Solar-Fabrik, Sunways und Co längst wieder kräftige Kursgewinne.

"Die Party ist noch nicht vorbei", betitelten Analysten vom Bankhaus Sal. Oppenheim ihre jüngste Studie über die Branche. Die Experten sehen - ebenso wie ihre Kollegen von der WestLB - zwar mittelfristig ein sinkendes Fördervolumen in Deutschland. Die Bundestagswahl halten aber die Analysten nicht unbedingt für das Hauptrisiko der Branche. Mindestens genauso schwer wiegen ihrer Einschätzung nach die Lieferengpässe beim wichtigen Rohstoff Silizium und der zunehmende Wettbewerb.

Klar ist inzwischen, dass die heutigen Oppositionsparteien einen Kahlschlag bei der Wind- oder Sonnenenergie im Falle eines Regierungswechsels vermeiden wollen. Lediglich an den "Stellschrauben" der heutigen Regelungen wollen die Energiepolitiker der Parteien drehen.

Eine schnelle Änderungen der heutigen Förderpraxis steht auf jeden Fall auch unter einer von der Union geführten Bundesregierung nicht an. "Derzeit haben wir noch Investitionssicherheit", meint daher Verbandssprecher Schüßler. Der Bestandsschutz sei unstrittig. Zudem möchte auch die CDU ihrem Wahlprogramm zufolge erreichen, dass die erneuerbaren Energien auf einen Anteil von 12,5 Prozent des Stromverbrauchs ausgebaut werden.

Angesichts eines kräftig gestiegenen Strompreises verstärkt sich die Suche nach Alternativen. Der weitere effiziente Ausbau von erneuerbaren Energien gilt als möglicher Weg. "Es gibt heute einen breiten parteiübergreifenden Konsens bei der Förderung der Solarenergie", meinte auch ein Sprecher der Conergy AG. Einen möglichen Regierungswechsel sehe man daher "sehr unaufgeregt".

Derzeit liefert der Solarstrom nur einen verschwindend kleinen Beitrag zum deutschen Energiemix. Laut Verband der Netzbetreiber liegt er in diesem Jahr bei gerade einmal 0,12 Prozent des gesamten deutschen Stromverbrauchs. Zum Vergleich: Die Windenergie kommt immerhin auf knapp sechs Prozent.

Von Andreas Heitker - Dow Jones Newswires