Weiterentwicklung

Solarbranche erhält neuen Auftrieb

Wenn es für die Solarbranche in den vergangen Jahren alles andere als rosig aussah, sind mittlerweile wieder bessere Zeiten in Sicht. Das ist vor allem auf den Solarboom im Ausland und die Weiterentwicklung der Solarspeicher für private Haushalte zurückzuführen.

Solarpark© Michel Angelo / Fotolia.com

München (dpa/red) - Die deutsche Solarindustrie ist auf dem Weg aus dem Jammertal. Jahrelang ging es mit der einstigen Vorzeigebranche nur bergab: Unzählige Betriebe gingen unter dem Druck der asiatischen Billig-Konkurrenz pleite, die Zahl der Arbeitsplätze halbierte sich innerhalb weniger Jahre auf rund 60.000. Aber entgegen vieler Prognosen ist die Solarbranche in Deutschland nicht untergegangen, sondern erfindet sich neu.

Deutsches Know-how ist weltweit gefragt

Die Reise der deutschen Solarindustrie geht tendenziell weg von der Produktion, hin zur Entwicklung komplexer Solarprojekte, für die das deutsche Know-how weltweit gefragt ist. Vor allem in den USA, aber auch in vielen Ländern Asiens und Afrikas erlebt die Solarenergie einen Boom - und der nutzt auch den deutschen Firmen. "Im Ausland setzt man sehr auf die Kompetenz aus Deutschland", sagte der Vertriebschef norwegischen Solarmodulherstellers REC, Luc Graré, der Nachrichtenagentur dpa zum Start der Messe Intersolar am Mittwoch in München. Die Messe ist mit mehr als 1.000 Ausstellern der weltweit größte Branchentreff der Solarindustrie. Ein großes Thema auf der Messe sind in diesem Jahr neue Speicher-Lösungen für die Selbstversorgung mit Solarstrom.

Negative Einflüsse auf die Solarbranche

Nach der Kürzung der Solarförderung ging die Nachfrage nach Solaranlagen in Deutschland deutlich zurück. Zudem sorgten Billig-Module aus Asien für massive Konkurrenz der Hersteller hierzulande. Als einer der wenigen deutschen Produzenten überlebte das Bonner Unternehmen Solarworld diesen Kampf mit einigen Blessuren. "Wir sind die letzten Mohikaner" beschrieb Gründer Frank Asbeck vor wenigen Monaten die Lage nach dem Ausleseprozess der vergangenen Jahre. Ein relevanter Mitspieler aus Deutschland ist zudem noch der Kasseler Solar-Zulieferer SMA Solar, der nach einem massiven Stellenabbau wieder auf die Rückkehr in die Gewinnzone hofft. Daneben sind unter anderem Projektentwickler im Solargeschäft aktiv und Hersteller von Maschinen, mit denen die Solaranlagen hergestellt werden können. "Man kann nicht sagen, dass das Licht ausgeknipst wäre", sagt Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW), Carsten Körnig, der sich seit Jahren für die Interessen der deutschen Hersteller einsetzt.

Viele schrecken vor den Kosten einer Solaranlage zurück

Die Zustimmung zur Solarenergie ist im Prinzip sehr hoch. Nicht zuletzt das große Interesse am Flug des Schweizer Sonnenfliegers Größtes Hindernis sind trotz deutlich gesunkener Preise aber die Kosten: Weil sich die Anlagen für Bauherren frühestens nach einem Jahrzehnt rechnen, schrecken viele vor der Anschaffung zurück. Hoffnungen setzt die Branche aber auf Energiespeicher, mit denen sich der erzeugte Solarstrom für die Selbstversorgung nutzen lässt. Mit den Speichern wird der tagsüber erzeugte Strom auch in den Abendstunden zur Verfügung gestellt. Bis zu 80 Prozent des Strombedarfs könnte ein Haushalt auf diese Weise decken. Die Kosten für eine kombinierte Solarstromanlage mit Speicher bewegen sich allerdings immer noch in einer Größenordnung von 10.000 bis 15.000 Euro.

Bisher nur wenige Solarspeicher in Deutschland

Das Potenzial der Solarspeicher ist groß: Von den 1,5 Millionen Häusern in Deutschland, die eine Solarstromanlage auf dem Dach haben, nutzen nach Angaben des Branchen-Verbandes erst 15.000 auch einen Solarspeicher. Viele Anbieter arbeiten derzeit daran, die Speicher optimal mit dem Haus zu vernetzen. So kündigte der Solar-Spezialist SMA vor wenigen Tagen die Zusammenarbeit mit dem Energieunternehmen Lichtblick an. Ziel der Kooperation sind sogenannte Schwarm-Speicher - also der Zusammenschluss mehrerer Solarstrom-Speicher, die damit wetterbedingte Schwankungen der Stromversorgung besser ausgleichen können. Hinzu kommen viele mittelständische Betriebe, die sich - zum Teil auch aus Image-Gründen - für die Solar-Stromnutzung interessieren.

Quelle: DPA