Nachfolgestudie

Sofortige AKW-Stilllegung wegen Kinderkrebsproblem gefordert

Umwelt- und Ärzteverbände verlangen von der Regierung Sofortmaßnahmen zur Verhinderung von Kinderkrebserkrankungen im Umfeld von Kernkraftwerken. Der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger, fordert den "Sofortausstieg aus der Atomenergie".

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Berlin (ddp/sm) - Auch müssten die Stromkonzerne die Familien entschädigen, die nicht mehr in der Nähe von Atomkraftwerken (AKW) wohnen wollen. Hintergrund ist eine Ende 2007 veröffentlichte Studie über gehäufte Krebserkrankungen von Kindern in AKW-Nähe. Nach der Untersuchung des Mainzer Kinderkrebsregisters wächst das Risiko einer Krebserkrankung für Kinder unter fünf Jahren, je näher ihr Wohnort an einem AKW liegt. So wurde im Untersuchungszeitraum von 1980 bis 2003 an 16 AKW-Standorten in einem Umkreis von fünf Kilometern um die Reaktoren 77 solcher Erkrankungen festgestellt. Im statistischen Durchschnitt wären 48 Fälle zu erwarten gewesen, womit 29 Fälle allein auf das Wohnen in diesem Umkreis zurückzuführen seien.

Weiger verwies auf eine noch unveröffentlichte Nachfolgestudie, wonach von 121 bis 275 zusätzlichen Neuerkrankungen im Umkreis von 50 Kilometern um die westdeutschen AKW-Standorte in der Zeit von 1980 bis 2003 auszugehen sei. Einer Plausibilitätsprüfung zufolge könnten "eigentlich nur die radioaktiven Emissionen" dafür verantwortlich sein, argumentierte er.

Die Vorsitzende der atomkritische Ärzteorganisation IPPNW, Angelika Claußen, sagte, mit der Studie des Kinderkrebsregisters habe die These, dass Atomkraftwerke auch im Normalbetrieb krank machten, "höchste wissenschaftliche epidemiologische Weihen erhalten". Sie kritisierte, dass die Autoren dieser Studie jedoch keinen Zusammenhang zwischen den Kraftwerken und den vermehrten Kinderkrebserkrankungen gesehen hätten.

Der Herforder Kinderarzt Winfried Eisenberg als Vertreter einer Initiative von mehr 100 Kinderärzten forderte eine Überprüfung und Anpassung der Emissionsgrenzwerte für radioaktive Abgaben. Dabei müsse der Gesundheitsschutz für diejenigen ausschlaggebend sein, die am strahlenempfindlichsten seien, also Embryos, Feten, Säuglinge und Kleinkinder.