Gesetz

Smart Meter kommen: Wenig Vertrauen bei Verbrauchern

Intelligente Stromzähler sollen Verbrauchern beim Stromsparen helfen und die Energiewende beschleunigen. Deshalb will die Bundesregierung deren Verbreitung voranbringen. Spielen die Verbraucher da mit?

StromzählerDas neue Gesetz betrifft zunächst nur Großverbraucher und einige Betreiber von Ökostromanlagen.© EnBW
Berlin - Die Energiewende wird digital: Mit der Einführung intelligenter Stromzähler sollen die Verbraucher langfristig Geld sparen. Die große Masse der privaten Kunden würde nach dem Einbau der modernen Messgeräte zunächst aber wohl nur um die 20 Euro im Jahr mehr im Geldbeutel haben. Das geht aus einem Gesetzentwurf von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hervor, den der Bundestag am Donnerstag auf den Weg bringen wollte.

Eine strikte Einbaupflicht für mehr als 30 Millionen Haushalte, die jährlich zwischen 3.000 und 4.000 Kilowattstunden Strom verbrauchen, ist dabei nicht vorgesehen. Das neue Gesetz zum Einbau soll ab Januar 2017 soll greifen.

Großverbraucher müssen digitale Stromzähler installieren

Großverbraucher wie Gewerbetreibende müssen dagegen bereits ab dem kommenden Jahr die digitalen Zähler ("Smart Meter") installieren, ab 2020 greifen die Vorgaben schrittweise auch für mehr private Nutzer. Zudem könnten Stromlieferanten dann ihren Kunden die neuen Zähler als freiwilligen Service anbieten - bei einer gesetzlich festgelegten Kostenobergrenze für die meisten Haushalte von 40 Euro.

Es werde keine Einführung um jeden Preis geben. "Kosten und Nutzen müssen in einem vernünftigen Verhältnis stehen", heißt es im Gesetz, mit dem sich die Länder im Bundesrat noch am 8. Juli befassen werden.

Auch für einige Ökostromanlagen-Betreiber besteht Einbau-Pflicht

Mit der Digitalisierung soll künftig besser gesteuert und erfasst werden, wann und wo Strom gebraucht wird. Das würde die Netze entlasten. So müssen auch viele Besitzer von Ökostromanlagen mit einer Leistung von mehr als sieben Kilowatt nun moderne Zähler einbauen. Hier rechnet die Bundesregierung mit Gesamtkosten für die Betreiber von über 100 Millionen Euro.

Vernetztes Heim: Datenschützer schlagen Alarm

Angesichts von 40 Millionen Haushalten und Millionen von Firmen geht es langfristig um einen riesigen Markt - viele Verbraucher nehmen die Angebote für ein vernetztes Heim aber bisher nur zögernd an. Bedenken von Datenschützern vor "gläsernen Stromkunden" hält die Regierung für unbegründet.

So sollen sich die anfänglichen Ausgaben für den Einbau der Geräte über die Zeit - wie bei Energiesparlampen oder effizienten Kühlschränken - für die Bürger rechnen. Pro Jahr könnte ein Drei-Personen-Haushalt mit digitaler Stromsteuerung um die 15 Euro bei der Stromrechnung sparen, rechnet Gabriels Ministerium vor - etwa wenn die Waschmaschine sich automatisch zu einem günstigen Nachtstrom-Tarif einschaltet.

Umfrage: Verbraucher zeigen bisher wenig Vertrauen

Das Vertrauen in intelligente Stromzähler ist indessen unter den Verbrauchern in Deutschland noch nicht sehr ausgeprägt. Das ergab eine Umfrage, die der IT-Sicherheitsspezialist Kaspersky Lab beim Analysedienst Statista in Auftrag gegeben hat. Die Ergebnisse legten nahe, dass es noch "erheblichen Aufklärungsbedarf" in der Bevölkerung gebe, sagte Kaspersky-Manager Holger Suhl. Mehr Akzeptanz werde nur entstehen, wenn Datenschutzbelange nachvollziehbar und die Sicherheit der Infrastruktur gewährleistet seien.

Der Umfrage zufolge setzen 37 Prozent der Befragten Vertrauen in die "Smart Meter" zur digitalen Erfassung und Abrechnung der Verbrauchsdaten. 32 Prozent lehnen diese Aussage jedoch ab, 31 Prozent waren unentschlossen. In Sachen Datenschutz und Cybersicherheit bei großen Unternehmen und Dienstleistern haben demnach 71 Prozent der Nutzer Sorgen geäußert. 69 Prozent gehen davon aus, dass die Digitalisierung das Leben "gläsern" mache.

Quelle: DPA