Übernahmeschlacht

Siemens macht Angebot für Energiekonzern Alstom

Siemens hat nach Angaben der französischen Regierung ein Übernahmeangebot für den Industrie- und Energiekonzern Alstom eingereicht. In den vergangenen Tagen hatte der "Übernahmepoker" Schlagzeilen gemacht, denn auch General Electric hatte Interesse angemeldet. Nun hat der Aufsichtsrat von Siemens offenbar den Weg freigemacht.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Paris/München (dpa/red) - Im Übernahmepoker um den französischen Alstom-Konzern steht Siemens kurz vor der Bekanntgabe eines eigenen Angebots, zumindest für Teile des Rivalen. Nach Angaben der französischen Regierung seien die Münchner dabei, eine entsprechende Offerte für den Industriekonzern Alstom einzureichen. Das sagte Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg am Dienstagnachmittag vor der Nationalversammlung in Paris. Details nannte er zunächst nicht. Das Angebot werde gerade dem Verwaltungsrat von Alstom vorgelegt, erklärte Montebourg. Zuvor hatte es eine außerordentliche Sitzung des Aufsichtsrats des Münchner Unternehmens gegeben.

Grundsätzlich grünes Licht

Das Gremium hat nach Informationen des "Handelsblattes" und der dpa am Nachmittag bereits grundsätzlich grünes Licht für die Übernahmepläne für den französischen Rivalen Alstom gegeben. Das Kontrollgremium unterstütze das Vorhaben, berichtete die Zeitung (Mittwochausgabe) unter Berufung auf Unternehmenskreise. Eine konkrete Offerte sei noch nicht beschlossen worden, dazu sollten zunächst die Bücher Alstoms geprüft werden, hieß es.

ICE gegen Energie-Geschäft

Siemens soll bereit sein, Geschäfte im Schienenverkehr - wie etwa den Bau von ICE-Zügen und Lokomotiven - an Alstom abzugeben, wenn der Konzern im Gegenzug das Energietechnik-Geschäft der Franzosen übernehmen könnte. Auch der US-Rivale General Electric (GE) hatte Interesse an Teilen von Alstom angemeldet.

Alstom hatte angekündigt, bis Mittwochvormittag über das weitere Vorgehen informieren zu wollen. Am Dienstagabend wollte der Verwaltungsrat des Unternehmens zusammenkommen. Mitarbeiter des Unternehmens protestierten am Dienstag vor einer Niederlassung in Saint-Ouen bei Paris gegen die Zerschlagungspläne.

Bei einem Treffen mit Wirtschaftsminister Montebourg forderten Gewerkschaftsvertreter eine erneute Teilverstaatlichung ihres Unternehmens. Die Regierung werde alle notwendigen Mittel ergreifen, um die Interessen des Staates zu schützen, kommentierte Montebourg.

Lieber mit Siemens

Der Minister hatte in den Vortagen deutlich gemacht, dass er einen Deal mit Siemens vorziehen würde. Dies würde es erlauben, im Zuggeschäft einen "Weltmarktführer made in France" aufzubauen. Um eine Chancengleichheit der Angebote von Siemens und GE zu gewährleisten, schaltete die französische Regierung am Dienstag die Finanzaufsichtsbehörde AMF ein. Die Alstom-Führung hatte zuvor lange heimlich nur mit GE verhandelt.

Veto-Recht für den Staat

Der französische Staat kann sich in die Verhandlungen einmischen, weil er bei Übernahmen in strategisch wichtigen Industriebereichen eine Art Veto-Recht hat. Die Regierung unter Hollande sieht eine mögliche Übernahme durch GE kritisch, weil sie unter anderem die Verlagerung von Arbeitsplätzen und Entscheidungszentren befürchtet. Paris hat stattdessen angedeutet, einen Geschäftsfeldertausch zwischen Siemens und Alstom zu bevorzugen.

Das Bundeswirtschaftsministerium steht einer möglichen Teilübernahme des französischen Alstom-Konzerns durch das größte deutsche Elektrounternehmen Siemens grundsätzlich positiv gegenüber. Eine solche Übernahme sei zuerst eine unternehmerische Entscheidung, sie böte aber große industriepolitische Chancen für Deutschland und Frankreich, sagte ein Ministeriumssprecher.

Update: Angebot von GE steht

Im Übernahmepoker um Alstom hat der US-Rivale General Electric ein Angebot über 12,35 Milliarden Euro für die Energietechniksparte der Franzosen abgegeben. Die Offerte werde nun bis Ende Mai von unabhängigen Mitgliedern des Verwaltungsrates geprüft, teilte Alstom am Mittwochmorgen mit.

Quelle: DPA