Siemens hält an Kernenergie fest

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"Siemens wird weiterhin an der Kernenergie festhalten und erwartet im nächsten Jahrzehnt einen neuen Aufschwung", erklärte Klaus Voges, Vorsitzender des Siemens-Bereichsvorstands Energieerzeugung (KWU) bei der Wintertagung des Deutschen Atomforums in Berlin. Von der geplanten Zusammenlegung ihrer kerntechnischen Aktivitäten versprechen sich Siemens und Framatome laut Voges eine dauerhafte Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit auf dem weltweiten Nuklearmarkt sowie eine Ausweitung der Präsenz auf den Schlüsselmärkten Nordamerika und Asien. Der KWU-Chef sicherte den Kernkraftwerksbetreibern die Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung der Technologie sowie das langfristige Engagement des Unternehmens für den sicheren und wirtschaftlichen Betrieb ihrer Anlagen zu. Gleichzeitig appellierte Voges an die deutschen Kernkraftwerksbetreiber, die Fortsetzung der Arbeiten am deutsch-französischen Gemeinschaftsprojekt des Europäischen Druckwasserreaktors (EPR) zu ermöglichen, damit die KWU-Enwicklungsteams und ihr Know-how für spätere Bauentscheidungen verfügbar bleiben.


Auf dem weltweiten Kraftwerksmarkt sieht Voges vor allem die Nachfrage nach Erdgas- und Kohlekraftwerken steigen. Die Liberalisierung der Strommärkte und der dadurch entstandene Wettbewerb unter den Stromversorgern hat die Anforderungen des Marktes an die Kraftwerkshersteller einschneidend verändert. Zum einen sind die Kraftwerkspreise stark gefallen, zum anderen sind die Anforderungen des Marktes bezüglich höherer Wirkungsgrade, kürzerer Errichtungszeiten und vermehrter Garantieleistungen massiv gestiegen. Auf dem globalisierten Markt könne man nur in einer starken Wettbewerbsposition überleben. Mit dem Erwerb des Westinghouse-Geschäfts mit fossil befeuerten Kraftwerken sei Siemens weltweit zur Nummer 2 der Branche aufgerückt. Der Kauf sei gerade zur rechten Zeit erfolgt, um vom augenblicklichen Boom der Kraftwerksbestellungen in den USA zu profitieren.


Unter den Gegebenheiten des liberalisierten Strommarktes genüge es aber nicht, wenn die Herstellerindustrie ihren Kunden, also den Stromversorgern, wettbewerbsfähige Neuanlagen liefere. Es werde immer mehr zur Hauptaufgabe, Maßnahmen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Anlagen anzubieten. Solche Ertüchtigungsmaßnahmen könnten in erhöhter Leistung, niedrigeren Betriebs- und Wartungskosten, höherer Betriebsflexibilität, Verlängerung der Lebensdauer und Sicherung der Verfügbarkeit bestehen. Ziel sei es, alle Potentiale, die ein Kraftwerk bietet, zu erschließen. Das gelte gleichermaßen für fossil befeuerte wie für Kernkraftwerke.


Siemens/KWU hat laut Voges in den vergangenen 20 Jahren die Stillstandszeit von Kernkraftwerken für den Brennelementewechsel um mehr als 50 Prozent verkürzt. Die Revisionszeit für die Prüfung von Reaktordruckbehältern sei noch stärker reduziert worden. Als besondere Herausforderung nannte Voges die Ertüchtigung osteuropäischer WWER-Reaktoren. Weitere Erfolge bei der Kostensenkung seien von langfristigen Serviceverträgen zu erwarten, mit denen Hersteller und Betreiber eine enge Partnerschaft eingehen.