Sieben Jahre Flanitzhütte: Bewohner stolz auf ihre in Europa einmalige Solarstrom- Insel

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com
Seit sieben Jahren werden die Bewohner der "Solarstrom-Insel" Flanitzhütte von der Sonne versorgt und sind mit ihrer Stromversorgung sehr zufrieden. Sie sind sogar stolz auf die Bekanntheit ihres Ortes und empfinden die Photovoltaik-Module und das Versorgungsgebäude mit Batteriesteuerung und Gasgenerator als Teil ihrer gewohnten Umgebung. Das ist das Ergebnis einer jetzt vorgelegten Untersuchung des Fraunhofer- Institutes für Solare Energiesysteme in Freiburg.



Flanitzhütte gehört zur niederbayerischen Gemeinde Spiegelau und liegt auf 650 Meter Höhe am Rande des Nationalparks Bayerischer Wald. Lebensgrundlage der zehn dauernden Bewohner des Weilers ist vor allem der Fremdenverkehr. Bis zu 70 zusätzliche Gäste sind dann in Flanitzhütte zu verzeichnen.



Als das Bayernwerk das Projekt Flanitzhütte Ende der 80er Jahre in Angriff nahm, war eine Vorgabe, dass die Bewohner keinen Unterschied zu ihrer bisherigen Stromversorgung spüren sollten. Grund für die Entscheidung des Bayernwerks, dort eine autarke solare Stromversorgung zu schaffen, waren die ohnehin erneuerungsbedürftige Freileitung, die durch umfallende Bäume und Schneelasten immer wieder zu Ausfällen geführt hatte, und die günstigen klimatischen Bedingungen (im Mittel 1700 Sonnenscheinstunden und eine Jahreseinstrahlung von 1100 kWh pro Jahr). Der Energieverbrauch konnte durch das Ersetzen alter Haushaltsgeräte mit hohem Stromverbrauch gegen neue energiesparende Geräte und Energiesparlampen entscheidend gesenkt werden.



Die inzwischen erreichte 100-prozentige Versorgungssicherheit ohne jegliche Einschränkungen zeigt, dass die Abkopplung vom öffentlichen Stromnetz und das Ziel der autarken solaren Versorgung erreicht worden ist. Allerdings ist sie mit erheblichen Kosten und enormen Aufwand an Ingenieurs-Know-How verbunden.
Rein rechnerisch könnten in Flanitzhütte jährlich 40.000 Kilowattstunden erzeugt werden. Doch differieren die Zeitpunkte der Stromerzeugung und des Stromverbrauchs, den der Kunde vorgibt, ganz erheblich. So kommt es im Frühsommer mangels Feriengästen zu einem Überangebot an Solarstrom, von dem ein Teil von der Batterie gespeichert werden kann.



Der Solargenerator der Firma Siemens Solar (Gesamtmodulfläche 360 Quadratmeter) mit einer Spitzenleistung von 40 Kilowatt besteht aus 840 rahmenlosen Photovoltaikmodulen mit jeweils 50 Watt Leistung. Nachts und bei Schlechtwetterperioden von bis zu drei Tagen wird der Strombedarf durch die Batterien mit einer Speicherkapazität von 480 Kilowattstunden gedeckt. Die 216 wartungsfreien Batteriezellen mit einem Gesamtgewicht von 18 Tonnen erfordern aber erheblichen Raumbedarf.



Der Eigenbedarf der Anlage ist mit 8000 Kilowattstunden sehr hoch. Um den gewohnten Standard zu gewährleisten, sind außerdem einige zusätzliche Einrichtungen nötig. So werden beispielsweise zur Regelung und Stromumwandlung jährlich 8000 Kilowattstunden verbraucht. Den größten Anteil an diesem Eigenbedarf mit 7000 Kilowattstunden erfordert die Umwandlung des Gleichstroms aus den Solarmodulen oder dem Batteriespeicher in Wechselstrom. Zum Vergleich: Ein Durchschnittshaushalt benötigt nur etwa 3000 Kilowattstunden pro Jahr.

Das Projekt Flanitzhütte stellt eine in Europa einmalige Pilotanlage zur Weiterentwicklung und Erprobung neuer Technologien dar, bei der anfänglich nicht auf entsprechende Erfahrungen zurückgegriffen werden konnte. Die Projektkosten für die "Strominsel" lagen bei ca. 3,5 Millionen Mark.

Ein Wehmutstropfen bleibt: Der in Flanitzhütte erzeugte Strom kostet ungefähr 7,50 Mark pro Kilowattstunde, wobei die Kunden nur den Normaltarif von rund 30 Pfennig pro Kilowattstunde bezahlen. Eine einfachere Anlage mit optimiertem Einrichtungs- und Wartungsaufwand könnte für rund 5 Mark pro Kilowattstunde Strom produzieren. Damit wäre Strom aus einer solaren Inselstromversorgung für Berghütten, Einödhöfe oder in Entwicklungsländern ohne entsprechende Stromver- sorgungsinfrastruktur eine im Vergleich zu anderen technischen Lösungen durchaus wirtschaftliche Variante.

Die Langzeiterfahrungen beim Bayernwerk-Projekt Flanitzhütte zeigen, dass derartige Anlagen bereits heute in abgelegenen Regionen wertvolle Beiträge zur Energieversorgung leisten können. Gegenüber bestehenden Stromversorgungsstrukturen werden sie jedoch auf lange Zeit noch nicht wirtschaftlich konkurrenzfähig sein.