Ölpreisverfall

Shell will 6.500 Stellen streichen

Der Energieriese Shell hat wie andere Konzerne mit dem niedrigen Ölpreis zu kämpfen. Noch in diesem Jahr sollen deshalb 6.500 Arbeitsplätze abgebaut werden. Der Konzern rechnet damit, dass die Preise für Öl noch über einen längeren Zeitraum niedrig bleiben.

Shell© Shell Deutschland Oil GmbH

Den Haag/ London (dpa-AFX/red) - Der vor der Fusion mit dem britischen Gasförderer BG Group stehende Energieriese Royal Dutch Shell hat wegen des Ölpreisverfalls scharfe Einschnitte angekündigt. Wie der Konzern am Donnerstag mitteilte, sollen im laufenden Jahr 6.500 Arbeitsplätze abgebaut und die Kosten um vier Milliarden US-Dollar gesenkt werden.

Zudem sollen die Investitionen um sieben Milliarden Dollar reduziert und Unternehmensverkäufe in Milliardenhöhe vollzogen werden. Shell-Aktien legten im frühen Handel um mehr als zwei Prozent zu.

Ölpreisrückgang könnte Jahre andauern

Shell mit weltweit 94.000 Mitarbeitern stellt sich damit wie andere große Ölkonzerne auch auf eine längere Periode niedriger Preise ein. Der Ölpreisrückgang könnte mehrere Jahre andauern. In drei Jahren dürfte der Ölpreis aber wieder auf 90 Dollar je Barrel steigen, erwartet der Konzern. Der Brent-Ölpreis hatte sich innerhalb eines Jahres praktisch halbiert. Wegen gesunkener Ölpreise sackte der bereinigte Gewinn zu Wiederbeschaffungskosten bei Shell im zweiten Quartal um mehr als ein Drittel auf 3,8 Milliarden US-Dollar ab. Analysten hatten im Schnitt aber noch weniger erwartet.

Quartalsbilanzen von Statoil und BP

Der Ölpreisverfall hatte zu Beginn der Woche bereits bei den Konkurrenten BP und Statoil in den Quartalsbilanzen deutliche Spuren hinterlassen. Unterm Strich rutschte BP wegen milliardenschwerer Entschädigungszahlungen für Schäden bei der Explosion der Ölplattform "Deepwater Horizon" im zweiten Quartal sogar tief in die Verlustzone. Auch BP-Chef Bob Dudley kappt die Investitionen und verkauft Unternehmensteile in Milliardenhöhe.

Shell kündigte am Donnerstag an, seine Beteiligung von knapp einem Drittel an der japanischen Tochter Showa Shell für 1,4 Milliarden US-Dollar an den Öl-Konzern Idemitsu zu verkaufen. Der Verkauf soll 2016 abgeschlossen werden. Der Konzern wolle seine Aktivitäten stärker konzentrieren, hieß es zur Begründung. Der Ölpreisverfall macht das Raffinerie-Geschäft der Konzerne wegen niedrigerer Kosten generell lukrativer.

Dividende soll unverändert bleiben

Die Aktionäre will Shell-Chef Ben van Beurden mit einer stabilen Dividende weiter bei Laune halten. Die Ausschüttung solle im laufenden Jahr unverändert bei 1,88 Dollar je Aktie liegen und 2016 mindestens so hoch ausfallen, kündigte er an. Zudem plant der Konzern mittelfristig Aktienrückkäufe in Milliardenhöhe.

Anfang April hatte Shell die Übernahme der BG Group für 47 Milliarden britische Pfund angekündigt. Dadurch werde ein stärkeres Unternehmen entstehen, hieß es damals. Die Transaktion soll bis Anfang 2016 unter Dach und Fach sein.