Standpunkt

Seehofer hält trotz Protesten an Isar 1 fest (Upd.)

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) lehnt ungeachtet des länderübergreifenden Widerstands gegen das Atomkraftwerk Isar 1 eine Abschaltung des Meilers ab. Es mache keinen Sinn, sichere Kraftwerke in Bayern abzuschalten, um anschließend Atomstrom aus Tschechien zu beziehen.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Straubing (ddp/red) - Er könne die Forderung, das Atomkraftwerk vom Netz zu nehmen, bei allem Verständnis für die Sorgen der Menschen vor Ort nicht nachvollziehen, sagte Seehofer dem "Straubinger Tagblatt" (Freitagsausgabe). Er betonte: "Wenn das Kraftwerk - wie behauptet - nicht sicher wäre, müssten wir es ja sofort abschalten." Nun müssten die Argumente über Sicherheitsfragen gesammelt und "transparent vermittelt" werden, sagte der Ministerpräsident. Am Freitagmittag lehnte auch ein Sprecher der Bundesregierung Forderungen nach einer raschen Abschaltung des bayerischen Atomkraftwerks Isar 1 ab.

Seehofer machte erneut deutlich, dass er zur Kernkraft derzeit keine Alternative sieht. "Für mich steht die Sicherheit der Anlagen an erster Stelle, wenn es um die Laufzeit geht - und keine Jahreszahl", sagte der CSU-Vorsitzende. Derzeit würden zwei Drittel der Energie im Freistaat von Kernkraftwerken erzeugt.

Zuletzt waren sowohl in Deutschland als auch in Österreich Forderungen laut geworden, die Laufzeit des vor 31 Jahren in Betrieb gegangenen AKW nicht zu verlängern. So sorgt sich die oberösterreichische Landesregierung um die Sicherheit des rund 100 Kilometer entfernten Meilers in Essenbach bei Landshut. Der oberösterreichische Landesrat Rudi Anschober sagte am Dienstag, Isar 1 zähle zu den ältesten und veralteten Atomreaktoren in Deutschland. Eine Laufzeitverlängerung wäre gerade im Fall eines Altreaktors "besonders verantwortungslos". Auch die Landshuter CSU sprach sich gegen eine Verlängerung der Laufzeit aus.

Am Dienstag hatte Seehofer gegenüber der "Passauer Neuen Presse" betont, oberstes Prinzip müsse sein, dass Kernkraftwerke so lange betrieben werden können, so lange sie "absolut sicher sind."

Es mache keinen Sinn, "sichere Kraftwerke in Bayern abzuschalten, um anschließend aus Tschechien den Atomstrom zu beziehen". Der bayerische Ministerpräsident fügte hinzu: "Daneben versuchen wir, durch den Ausbau regenerativer Energien eines Tages die Nutzung der Kernkraft überflüssig zu machen." Aber auf absehbare Zeit bestehe diese Chance nicht.