Protest gegen "Klimakiller"

Schweizer bauen Dörpener Kohlekraftwerk

Die Schweizer Firma BKW FMB Energie AG will das im Emsland geplante Kohlekraftwerk bauen, das wegen seines CO2-Ausstoßen umstritten ist. Unter anderem Landrat Bröring setzt sich für den Bau ein, da er auf neue Arbeitsplatze hofft und erneuerbare Energien alleine keine Vollversorgung gewährleisten könnten.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Dörpen (ddp-nrd/sm) - Knapp vier Monate lang rätselten die Emsländer, welches Unternehmen wohl ein Steinkohlekraftwerk in Dörpen südlich von Papenburg betreiben wolle. Im Februar, als die Pläne von Landrat Hermann Bröring (CDU) öffentlich gemacht wurden, war schließlich geheimnisvoll von einer internationalen Investmentgruppe die Rede. Nach entsprechenden Medienberichten gab sich dann Anfang Juni die börsennotierte BKW FMB Energie AG aus dem schweizerischen Bern zu erkennen.

Dörpen ist das erste Kraftwerksvorhaben des Konzerns in Deutschland. Details zu dem Projekt mit einer Leistung von 900 Megawatt und einem Investitionsvolumen von einer Milliarde Euro sollen am Montag bekannt gegeben werden, wenn das Gewerbeaufsichtsamt Oldenburg mit einem so genannten Scoping-Termin das Genehmigungsverfahren vorbereitet.

Dazu würden in Dörpen 47 Verfahrensbeteiligte des Betreibers sowie von Behörden und Umweltverbände erwartet, kündigte der zuständige Abteilungsleiter des Amtes, Walter Kulisch, in Oldenburg an. Bei dem Treffen sollen Vorgaben für die Antragstellung und die Umweltverträglichkeitsprüfung sowie Bedenken und Anregungen zur Sprache kommen.

Nach der Auswertung soll der BKW FMB Energie AG laut Kulisch "noch vor der Sommerpause" mitgeteilt werden, welche Unterlagen und Gutachten eingereicht werden müssen. Die Klimabilanz des Kraftwerks spiele dabei keine Rolle. Die Rechte für den CO2-Ausstoß müsse sich die Betreiberfirma bei der Emissionshandelsstelle im Umweltbundesamt sichern. Gesprochen werde indes über die Entnahme und Einleitung von Kühlwasser aus beziehungsweise in den Dortmund-Ems-Kanal.

Für den Standort im Emsland habe sich die BKW FMB Energie AG wegen der Anbindung an das vorhandene Stromnetz sowie der Infrastruktur entschieden, sagte Konzernsprecher Antonio Sommavilla. Die Anlieferung der Steinkohle sei per Schiff und Bahn möglich. "Ein wichtiger Grund ist auch, dass die Behörden vor Ort ein entsprechendes Interesse signalisiert haben", fügte Sommavilla hinzu. Besonders Landrat Bröring setzt sich für das Kraftwerk ein, das wegen seines Kohlendioxid-Ausstoßes umstritten ist.

"Wir brauchen den Ausbau von Regelenergie, um eine Vollversorgung zu gewährleisten. Regenerative Energien wie Windkraft stehen nicht 365 Tage im Jahr 24 Stunden zur Verfügung", sagte Bröring. Weiter betonte er: "Das Emsland soll nicht nur ein Transitland für Energien sein, sondern auch an der Wertschöpfung teilhaben." Zudem hofft der Landrat auf 200 Arbeitsplätze und spricht sich für eine Kraft-Wärme-Kopplung mit dem nahe gelegenen Papierwerk Nordland aus. "Wir haben die Absicht, die Wärme zu nutzen und den Wirkungsgrad damit nochmals zu erhöhen", bestätigte Sommavilla.

Moderne Anlagen hätten einen deutlich höheren Wirkungsgrad als alte Kohlekraftwerke und würden damit die CO2-Bilanz verbessern, betonte er. Sommavilla zeigte sich zuversichtlich, Mitte 2009 mit dem Bau beginnen und das Kraftwerk 2013 in Betrieb nehmen zu können. Vorgesehen sei eine Laufzeit von 40 Jahren. Dabei beruft er sich auch auf Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD): "Gabriel hat gesagt, dass Kohle unverzichtbar für den Energiemix ist."

Unterschriftensammlung und Bürgerinitiative gegen Kraftwerk

Nikolaus Schütte zur Wick sieht das völlig anders. "Vor dem Hintergrund des Klimawandels ist der Neubau unverantwortlich, wir brauchen keinen Klimakiller", sagte der Vorsitzende des Kreisverbandes Emsland-Nord der Grünen. Zudem sei ein mit Importkohle aus Russland oder Südafrika zu betreibendes Kraftwerk nicht zukunftsfähig. Schütte zur Wick sammelt eifrig Protestunterschriften.

Daraus sei mittlerweile eine überparteiliche Aktion geworden. Unterschrieben hätten auch CDU-, SPD- und FDP-Mitglieder, die teilweise selbst Unterschriften sammeln würden. Die Zahl der Unterzeichner bewege sich bereits im vierstelligen Bereich. Zudem werde die Gründung einer Bürgerinitiative vorbereitet, die ihren Protest auf einer Bürgerversammlung der Samtgemeinde Dörpen am Dienstag artikulieren wolle.