Bakterien im Kühlwasser

Schweizer AKW kämpft gegen Legionellen-Keime

Das am Hochrhein gelegene Atomkraftwerk Leibstadt im Schweizer Kanton Aargau kämpft gegen Legionellen-Keime im Kühlwasser. Die Betreibergesellschaft KKL stellte jetzt bei der Atomaufsichtsbehörde einen Antrag auf regelmäßige Desinfektionen mit dem Bleichmittel Javelwasser.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Leibstadt/Schweiz (dapd/red) - Das berichtete die Schweizer Nachrichtenagentur sda. Die Entwicklung der Legionellen-Keime sei in den vergangenen Wochen intensiv überwacht worden, teilte die KKL am Freitag mit. Die Konzentration der Keime sei vorübergehend wieder angestiegen und habe zeitweise die gesetzlich zulässigen Richtwerte überschritten.

Überträger von Infektionskrankheiten

Ende August waren die Bakterien im Kühlwasser erstmals mit chemischen Desinfektionsmitteln bekämpft worden. Das Problem sei noch nicht gelöst, sagte KKL-Sprecherin Karin Giacomuzzi. Die Keime würden auftauchen und wieder verschwinden. Die Legionellen, im Wasser lebende Stäbchen-Bakterien, sind Erreger der Legionärskrankheit und anderer Infektionskrankheiten. Die Bakterien kommen in zahlreichen Arten vor und sind weltweit in Oberflächengewässern und im Boden verbreitet. Sie können auch in Duschen, Schwimmbädern oder Saunen auftreten.

Um das Problem in den Griff zu bekommen, will das Atomkraftwerk künftig die Möglichkeit haben, regelmäßig Desinfektionen mit Chlorbleiche vorzunehmen. Die Betreibergesellschaft stellte einen entsprechenden Antrag bei den Behörden. Chlorbleiche wird auch in anderen Industrieanlagen mit Kühlsystemen und in Schwimmbädern zur Keimbekämpfung eingesetzt.

Stärkere Wirkstoffe waren bei der ersten, zwei Tage dauernden Desinfektion Ende Juni im geschlossenen Kühlsystem des Kernkraftwerks eingesetzt worden. Ein unabhängiger Bericht habe die Umweltverträglichkeit während und nach dem Einsatz bestätigt, stellt die KKL fest.

Abwasser in den Rhein geleitet

Die rund 16 Tonnen Desinfektionsmittel waren nach dem Einsatz aufbereitet und nach und nach in den Rhein geleitet worden. Das Kraftwerk bezieht sein Kühlwasser aus dem Rhein. Deutsche Behörden hatten im Juli die späte Information durch die Schweiz kritisiert. Rund eine Woche nach der Desinfektionsaktion im Kernkraftwerk hatte die Schadstoffwelle im Rhein Nordrhein-Westfalen erreicht.

Nach Angaben der KKL hatten die in den Rhein abgegebenen Stoffe weder das Trinkwasser noch Wasserlebewesen gefährdet. Im Bericht werde die Menge der in den Rhein gelangten Abfallprodukte als sehr gering eingeschätzt.