Beunruhigend

Schwedischer Reaktorstörfall versetzt Deutschland in Besorgnis

Der Zwischenfall im schwedischen Vattenfall-Reaktor in Forsmark am 25. Juli, bei dem zwei Notstromaggregate ausfielen, sorgt für große Unruhe unter Deutschlands Politikern. Sie forderten mehrheitlich ein Festhalten am Atomausstieg. Einzig Bayerns Umweltminister Schappauf empfahl den Bau neuer Atomkraftwerke.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Deutsche Politiker haben mit Besorgnis auf den Störfall in dem schwedischen Kernkraftwerk Forsmark reagiert. Der Obmann der Union im Umweltausschuss des Bundestages, Josef Göppel (CSU), sprach am Freitag von einem "schwerwiegenden Störfall". Er schloss einen ähnlichen Zwischenfall in deutschen Atommeilern nicht aus: "Mit dieser Technik sitzt die Bevölkerung auf einem Pulverfass", warnte er. Die "volkswirtschaftliche Finanzkraft" müsse anstelle in Kernkraftwerke in erneuerbare Energien gesteckt werden.

Der stellvertretende SPD-Fraktionschef im Bundestag, Ulrich Kelber, zeigte sich ebenfalls besorgt. Eine genaue Beurteilung möglicher Sicherheitsrisiken in deutschen Meilern sei jedoch erst möglich, wenn "alle Fakten auf dem Tisch liegen", betonte er. Dazu müssten jedoch die Untersuchungsergebnisse des Umweltministeriums abgewartet werden. Der energiepolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Hempelmann, sagte: "Was im Einzelnen vorgefallen ist, muss uns interessieren." Es gelte, mögliche Sicherheitslücken aufzudecken.

Der energiepolitische Sprecher der Links-Fraktion, Hans-Kurt Hill, sagte: "Wir können hier mit den gleichen Problemen rechnen." Aufgrund des Vorfalls sei ein Ausstieg aus der Atomkraft noch dringlicher. In der Energiewirtschaft wurde der Vorfall in Forsmark als Zwischenfall der Stufe 2 auf einer Skala mit dem Höchstwert 7 eingestuft. Dies bezeichnete Hill als "Schönfärberei". Wenn zwei von vier Notstromaggregaten ausfielen, sei dies wesentlich ernster.

Die in Schleswig-Holstein für Reaktorsicherheit zuständige Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) forderte unterdessen ein konsequentes Festhalten am Atomausstieg. "Diese gefährliche Panne" unterstreiche die Notwendigkeit am Festhalten des Ausstiegfahrplans, sagte sie in Kiel. Mit dem Betrieb von Kernkraftwerken seien Risiken verbunden, die auf Dauer nicht akzeptiert werden könnten. Trauernicht kritisierte, dass das Bundesumweltministerium die Länder bislang nicht über den Unfall in Schweden und seine Folgen informiert habe.

Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) hat sich hingegen für den Bau neuer Kernkraftwerke ausgesprochen. Es sei klar, dass langfristig gesehen neben den regenerativen Energien wie der Biomasse auch die Kernkraft im Energiemix weiter eine Rolle spielen werde. Aufgrund des "rasanten Klimawandels" sprach sich Schnappauf dafür aus, alle energiepolitischen Entscheidungen auf ihre Klimaverträglichkeit hin zu untersuchen.

Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Oskar Lafontaine, bezeichnete den Energiekurs der Großen Koalition als "fahrlässig und gesellschaftlich unverantwortlich". Wichtig sei, "die Monopolmacht der Energiekonzerne" zu brechen und alternative Energien zu fördern, betonte Lafontaine. Hessens Grüne forderten eine Überprüfung des pannenanfälligen Atomkraftwerks Biblis. "Wir wollen von der Landesregierung wissen, wie sich die Notstromversorgung der Atomkraftwerke Biblis und Forsmark unterscheiden, wie die Funktionsfähigkeit der Notstromversorgung in Biblis sichergestellt und überprüft wird und welche Konsequenzen aus dem Störfall gezogen werden", sagte der Geschäftsführer der Grünen-Landtagsfraktion, Frank Kaufmann, in Wiesbaden.

Das Bundesumweltministerium forderte unterdessen von den Bundesländern und den Betreibern deutscher Atomkraftwerke genaue Auskunft über ihre Notstromsysteme. Nach Angaben einer Ministeriumssprecherin sollen die Atomaufsichtsbehörden der Länder so schnell wie möglich berichten, ob in den AKW jene Notstrom-Anlagen von AEG geliefert wurden, die in Schweden möglicherweise Ursache des Störfalls waren. Das Umweltministerium will schnellstmöglich klären, ob Sicherheitsmängel wie in Schweden auch in deutschen AKW vorliegen.

Am 25. Juli hatte es nach Angaben des deutschen Betreibers Vattenfall einen Zwischenfall in einem Reaktor des schwedischen Atommeilers in Forsmark gegeben. Ein Firmensprecher schloss ähnliche Zwischenfälle für zwei baugleiche von Vattenfall betriebene Reaktoren in Schleswig-Holstein aus.