Zeitplan verzögert

Schweden will mehr Informationen über Ostsee-Pipeline

Die schwedische Regierung hat einem Bericht des Handelsblattes zufolge die Projektunterlagen zur Ostsee-Pipeline wegen Unvollständigkeit zurückgeschickt. Zudem fürchten die Schweden, dass ein Glasfaserkabel an der Pipeline zur Datenspionage missbraucht werden könnte.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Stockholm/Hamburg (red) - Dem Blatt zufolge verlangen die Schweden unter anderem genauere Angaben über mögliche Umweltkonsequenzen und kritisiert darüber hinaus, dass es keine Alternativpläne für eine Pipeline an Land gibt. Auch Polen und die baltischen Staaten fordern aus Umweltschutzgründen eine Leitung an Land, das Bau-Konsortium Nord Stream hatte dies jedoch stets abgelehnt.

Das erhöht natürlich den Zeitdruck für das Projekt, denn eigentlich soll schon ab 2011 Gas über die 1200 Kilometer lange Leitung von Russland nach Deutschland fließen. Nord Stream wolle nun die ausstehenden Unterlagen nach Stockholm schicken, so das Handelsblatt weiter. Dies könne sich jedoch auf die Kosten für den Bau auswirken, da die Preise für Stahlröhren extrem steigen und die geplanten Kosten ohnehin schon von fünf auf acht Millionen Euro gestiegen sind.

Missbrauch für Spionage gefürchtet

Darüber hinaus kritisiert Schweden, dass sich in den Antragsunterlagen "zu wenig Angaben" fänden, die einen möglichen Missbrauch der Pipeline für "unzulässige Zwecke" auszuschließen, so das Nachrichtenportal stern.de. Die Schwedische Verteidigungsakademie FOI hat bereits offiziell vor der Gefahr gewarnt, dass russische Dienste die Röhren und eine geplante Plattform mit "passiven und aktiven Sensoren" ausrüsten und damit den Schiffsverkehr auf der Ostsee überwachten könnten.

In den Antragsunterlagen hieß es lediglich, die geplanten "Überwachungsfunktionen" für die Pipeline seien von "hoher Qualität", genauere Details fehlen jedoch. Die Antragsunterlagen enthielten überdies keinerlei Informationen über geplante Datenkabel entlang der Röhren. Ein Nordstream-Sprecher sagte zu stern.de, ein militärischer Missbrauch sei "ausgeschlossen". "Detailfragen" müssten mit den Behörden besprochen werden. Ein Kabel ist laut Nordstream aber "weder technisch notwendig noch geplant" und sei unter Wasser nicht einmal technisch möglich. Mehrere von stern.de befragte Experten widersprachen dem. "Eine solche Leitung hat immer ein Begleitkabel", sagte der Hannoveraner Ingenieur Manfred Veenker. "Man braucht ein Glasfaserkabel, um Lecks zu lokalisieren", so Roberto Walder von der Schweizer Firma Smartec.

In Polen war Gazprom Ende 2000 schon einmal unter schweren öffentlichen Beschuss geraten, weil die Firma neben der so genannten Jamal-Pipeline einen Datenhighway verlegen hatte lassen und die Behörden dies nach eigenen Angaben erst aus der Zeitung erfuhren. Im Fall der Ostseepipeline dürften solch "vitale Informationen definitiv nicht fehlen", sagte Larsson.

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