Schultz: Nordostdeutscher Energiekonzern wird begrüßt

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Die Übernahme der Bewag durch die HEW und die damit verbundenen Perspektiven kommentiert der Bundestagsabgeordnete Reinhard Schultz, stellvertretender energiepolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion:


Die Übernahme der Aktienmehrheit an der Bewag durch die HEW eröffnet gute Perspektiven zum Aufbau eines nordostdeutschen Stromkonzerns unter Einbeziehung der VEAG, der LAUBAG, der MIBRAG und des Stromverteilers ENVIA. Diese Entwicklung wird durch die SPD-Bundestagsfraktion ausdrücklich begrüßt. Im Ergebnis wird es einen vierten europafähigen deutschen Stromkonzern geben, der an Wettbewerbsfähigkeit E.ON, RWE und EnBW in nichts nachsteht. Er wird die Aktivitäten auf dem Gebiet der Stromerzeugung und überwiegend auch der Stromverteilung in Nord- und Ostdeutschland in einem Unternehmen zusammenfassen und einen authentischen stabilen industriellen Kern in Ostdeutschland aufbauen und auf Dauer absichern. Er bietet die große Chance, erfolgreich am Aufbau einer modernen und umweltfreundlichen Stromversorgung in Osteuropa, insbesondere bei den EU-Beitrittskandidaten, unternehmerisch mitzuwirken und so zu wachsen. Die Allianz mit dem künftigen Mehrheitsaktionär, dem schwedischen Stromkonzern Vattenfall, gibt der "vierten Säule" in der Deutschen Stromlandschaft eine baltische Perspektive.


Die Unternehmen HEW und Bewag sind sich als endkundenorientierte Versorgungsunternehmen auch in der Unternehmenskultur ähnlich. Ein bruchloses Zusammenwachsen ist zu erwarten. Beide repräsentieren große Ballungsräume, denen die Stromproduktionsbasis, im Hamburg die Kernkraftwerke, in Berlin überalterte konventionelle Kraftwerke, in den nächsten Jahren verloren geht. Sie sind die natürlichen Abnehmer eines Teils des Stroms, den die VEAG in hochmodernen Braunkohlenkraftwerken erzeugt. Eine Übernahme der VEAG und der LAUBAG liegt im Interesse der ostdeutschen Braunkohle und ihrer Verstromung. Auch die MIBRAG sollte einbezogen werden. Die Chance, dass HEW/BEWAG den Wettbewerb um die VEAG gewinnt, steht sehr gut. Natürlich muss durchgesetzt werden, dass für etwa acht Jahre die Alteigentümer der VEAG Strom von der VEAG zu Marktpreisen abnehmen. Danach spätesten wird die VEAG Kostenführer in der deutschen und europäischen Stromerzeugung sein.


Zu wünschen ist, dass durch eine vernünftige Beteiligung des Gasversorgers VNG an den neuen Konzern oder zumindest an der VEAG der versorgungs- und technologiepolitisch zukunftsfähige Ansatz des "Multi Utility" auch in dem neuen Unternehmen verwirklicht werden wird. Letzt endlich liegt diese Entwicklung auch im Interesse der Stadt Berlin. Denn der Sitz des neuen Konzerns wird natürlich in Berlin liegen. Damit wird Berlin um den Sitz eines großen Konzerns reicher. Auch für die Beschäftigten in der nord- und ostdeutschen Energiewirtschaft ist diese Entwicklung segensreich. Der unabweisbare Kostendruck, der auf der Stromwirtschaft lastet, ist nur durch stamme Rationalisierung aufzufangen. Der sozialverträglich Abbau von Arbeitsplätzen einerseits und ein auch beschäftigungswirksames Wachstum andererseits sind nur in einer größeren Einheit zu verwirklichen, als es die bisherigen kleineren Versorgungsunternehmen konnten. Auch die qualifizierte Mitbestimmung der Belegschaften ist unter den Rahmenbedingungen des neuen Konzerns mit hohem Bergbauanteil auf Dauer leichter abzusichern.