Risiken

Schönefeld hat Atomreaktor in der Einflugschneise (Upd.)

Mit der Inbetriebnahme des neuen Großflughafens in Schönefeld sollen die startenden Flugzeuge auch die nukleare Forschungsanlage des Helmholtz-Zentrums und ein Lager für radioaktiven Müll in Wannsee überfliegen. Ein entsprechender Bericht der "Berliner Zeitung" wurde jetzt von einer Sprecherin bestätigt.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (dapd/red) - Den Verfahrensplanern sei die Infrastruktur am Boden durchaus bekannt, sagte die Sprecherin der Deutschen Flugsicherung (DFS). In Deutschland würden aber grundsätzlich fast alle Kernkraftwerke überflogen. Vorgeschrieben sei in jedem Fall ein Sicherheitsabstand von 800 Metern Höhe. Über Wannsee befänden sich die Flieger sogar in 2.400 Metern Höhe. Flugzeuge, die in Tempelhof starteten, seien früher zudem wesentlich näher an den Reaktor herangeflogen.

Keine hundertprozentige Sicherheit

Es sei schwierig, eine hundertprozentige Sicherheit herzustellen. "Flugrouten festzulegen, da, wo keiner wohnt, wo nichts ist, das geht halt nicht immer", sagte die Sprecherin. Dann dürfe man gar nicht mehr fliegen. Zudem sei die Wahrscheinlichkeit eines Unglückes genau an der Reaktorstelle sehr gering. Die Flugzeuge bewegten sich nicht auf einer Linie, sondern wichen von den Flugrouten ab. "Bei einem Absturz landen die ja nicht haargenau da drauf", sagte die Sprecherin.

So ein Reaktor gehöre ganz bestimmt nicht unter eine viel genutzte Flugroute, kritisiert dagegen Anja Schillhaneck, wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Für den verkehrspolitischen Sprecher der SPD-Fraktion, Christian Gaebler, handelt es sich um einen "sicherheitsrelevanten Aspekt", auf den in den kommenden Diskussionen mit der DFS Rücksicht genommen werden müsse. "Man kann sich fragen, wie es überhaupt dazu kommen konnte", sagte Gaebler. Die Route über Wannsee dürfe ohnehin nicht so bleiben, weil von ihr auch erhebliche Lärmbelastungen für Wohngebiete wie Lichtenrade ausgingen.

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken, Jutta Matuschek, sagte, die Flugrouten müssten nach optimaler Prüfung festgelegt werden. Dazu gehöre auch die Analyse möglicher Risiken. "Ein Atomreaktor, auch wenn es sich nur um eine Forschungsanlage handelt, gehört unbedingt dazu."

Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) wollte sich zu der Frage nicht äußern. Allerdings erwarte sie, dass die DFS bei der nächsten Tagung der Fluglärmkommission auch dazu Stellung nimmt. Die Kommission soll das nächste Mal am 8. November zusammenkommen.

Ein Sprecher der Berliner Flughäfen sagte, dass diese Frage sicherlich Bestandteil der Diskussion um die Flugrouten werde. Diese seien "noch nicht in Stein gemeißelt", sondern lediglich erste Vorschläge der DFS.

Bemühen um Verlegung der Flugrouten

Auch das Helmholtz-Zentrum bemüht sich nach Aussage einer Sprecherin um eine Verlegung des geplanten Luftkorridors. "Wir sind mit den Behörden im Gespräch", sagte eine Sprecherin. Das Helmholtz-Zentrum sei nicht in die Planungen eingebunden gewesen. Zwar sei nicht von einem erhöhten Sicherheitsrisiko auszugehen. Der Reaktor sei zu allen Seiten von einer Mauer aus zwei Meter dickem Spezialbeton umgeben. Er wäre nur gefährdet, wenn ein Flieger in einem rechten Winkel genau senkrecht darauf stürzen würde. Kein Flugzeug, das den Reaktor überfliegt, sei aber immer noch besser als irgendein Flugzeug, sagte sie.

Auf dem Gelände des Helmholtz-Zentrums befindet sich nicht nur der Reaktor, sondern noch eine weitere potenzielle Gefahrenquelle: die Zentralstelle für radioaktiven Abfall des Landes Berlin. Dort wird schwach- und mittelradioaktiver Müll aus Industrie, wissenschaftlichen Laboren und medizinischen Einrichtungen zwischengelagert. "Da, wo gefährliche Stoffe gelagert werden, ist das Risiko natürlich immer höher", sagte die Sprecherin des Helmholtz-Zentrums.