Bis 2020 möglich

Schneller Atomausstieg ohne Stromlücke und ohne hohe Strompreise

/>Ein Ausstieg aus der Kernenergie ist nach Ansicht des Öko-Instituts und des World Wide Funds For Nature (WWF) bis 2020 möglich, ohne dass die Strompreise explodieren oder eine Stromlücke entsteht. Dazu sei noch nicht einmal ein steil ansteigender Ausbau der erneuerbaren Energien nötig.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Berlin (dapd/red) - Auch Sonnen- und Windenergieanlagen müssten nicht über die bisher geplanten Grenzen hinaus ausgebaut werden, erklärte Felix Matthes vom Öko-Institut am Freitag in Berlin. Er stellte Untersuchungen vor, die das Institut angesichts der durch die Atomkatastrophe in Japan entstandenen Situation angestellt hat.

Überkapazitäten machen 7 Alt-AKW überflüssig

Die vorhandenen Überkapazitäten des Systems bezifferte er auf 8.700 Megawatt Leistung. Sie ermöglichten bereits jetzt das Abschalten der sieben ältesten Atomkraftwerke und des stillliegenden Kraftwerks Krümmel, erklärte Matthes. Dazu sei noch in diesem Jahr ein Wiederanfahren der "Kaltreserven" möglich, also konventioneller Anlagen, die zurzeit wegen der Überproduktion an Strom außer Betrieb seien. Sie stünden für 2.500 Megawatt, was weiteren zwei "größeren" Atomanlagen entspreche.

In den folgenden zwei Jahren könnten durch ein verbessertes Spitzenlast-Management weitere 2.000 bis 3.000 Megawatt frei werden, indem absehbare hohe Inanspruchnahmen des bereitgestellten Stroms besser verteilt würden. Dazu komme eine Neubaukapazität unumstrittener Kraftwerksbauten von ebenfalls etwa 3.000 Megawatt. Beides zusammen ermögliche bis 2013 die Abschaltung weiterer vier Kernkraftwerke.

2020 das letzte Atomkraftwerk vom Netz nehmen

Die verbleibenden drei Atomanlagen könnten bis spätestens 2020 durch Neubauten abgelöst werden, die mit regenerativen Energien und Gas betrieben werden, sagte Matthes. "Praktisch könnten wir so kurz nach 2015 einen Ausstieg realisieren", sagte er und betonte, dass das Szenario des Öko-Instituts keinen Neubau von Solar- und Windanlagen enthalte, der über das bisher ohnehin geplante Maß hinausgehe.

Eine übermäßige Erhöhung des Strompreises hält der Wissenschaftler bei diesem Vorgehen nicht für gerechtfertigt. Zwar sei in den ersten Tagen nach der Ankündigung der Bundesregierung, die alten Meiler abzuschalten, der Strompreis gestiegen. Aber es gehe bereits wieder abwärts. Als grobe Schätzung gab er einen Anstieg um 0,5 Cent pro Kilowattstunde an. Für den durchschnittlichen Vierpersonenhaushalt mit einem Jahresstromverbrauch von 4.000 Kilowattstunden würde das Mehrkosten von 20 Euro bedeuten.