Strommarkt Schweiz

Schiffbruchgefahr für Strommarktöffnungs-Abstimmung im Sommer 2002

Wie eine Umfrage im Schweizer Kanton Zürich ergab, könnte die Abstimmung zur Öffnung des Strommarktes, die in der Schweiz im Sommer nächsten Jahres stattfinden soll, dagegen ausgehen. Einer der Gründe: Angst vor ausländischen Konzernen.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Das Schweizer gfs-Forschungsinstitut für Meinungsumfragen hat für die Baudirektion Kanton Zürich den Abstimmungskampf über die Rechtsformänderungsrevision zur Aktiengesellschaft der Elektrizitätswerke des Kanton Zürichs (EKZ) analysiert. Herausgekommen ist ein eher knappes kantonales Abstimmungsresultat, das keine Zufallsgegnerschaft abbildet.

Die Ergebnisse im einzelnen: (1) Die Strommarkt-Frage erscheint als eine Frage der damit verbundenen Risikowahrnehmung der Interessierten sowie sich betroffen Fühlenden (wird für mich das Leben leichter und sicherer, oder nicht?). Diese Antwort wurde klar verneint und damit einhergehend die EKZ-Vorlage abgelehnt. (2) Vor diesem Hintergrund ist es wenig überraschend, dass vorwiegend ältere Frauen, Frauen, Menschen mit geringem Bildungsniveau und wiederum sehr gut Informierte in Kernstädten gegen die von ihnen wahrgenommene Liberalisierungstendenzen sind. Befürwortend zeigen sich eher junge Menschen sowie - ausgeprägt - männliche Befragte. Nur diese Minderheit sieht hier eine Bereicherung. (3) Unabhängig vom Informationsstand, dem kaum eine Rolle im Abstimmungskampf zugesprochen werden musste, wurde der sinnhafte Kern der EKZ-Abstimmung begriffen: Strom-Versorgung neuen Zuschnittes, oder nicht? Dabei erschienen die Meinungen bereits vor dem Abstimmungskampf mehr oder weniger gemacht. Inwieweit hier Lernprozesse stattfanden, die für Modernisierungen nötig sind, lässt die gfs-Umfrage offen. (4) Die gfs-Analyse lässt den Schluss zu, dass es eine eidgenössische Elektrizitätsmarkt-Abstimmung derzeit schwer hätte. Da es nicht um Details geht, sondern um die Grundpräferenz pro oder contra Liberalisierung. (5) Die gfs-Analyse bildet eine Stimmung ab, die sich gegen wirtschaftliche Denkweisen wendet, die der Ökonomie einen Primat und den Charakter einer Problemlöserin einräumen. Im Umkehrschluss könnte man sagen: Das Vertrauen zu Daseinssicherheit wird eher in staatlichen Organisatonsformen gesehen. Interessant in diesem Zusammenhang: Die Angst vor der Ohnmacht, die Stromversorgung könnte von "ausländischen Konzernen" beherrscht werden. Hier könnte – neben der allgemeinen Erlebnislage – auch die Erfahrung z.B. mit der "Cablecom", als Kabelfernsehbetreiberin im Kanton Zürich, eine Rolle spielen, die als Anhängsel eines multinationalen Konzerns in jüngster Zeit nicht eben sehr Kundenfreundlich wahrgenommen wird.

Weitere Informationen: www.gusewski.ch/markt.htm#gfs