Führungswechsel

Scheidender E.ON-Chef Hartmann zieht Bilanz nach zehn Jahren

Die Hauptversammlung der E.ON AG am Mittwoch vergangener Woche war die letzte von Ulrich Hartmann und Prof. Wilhelm Simson als Vorstandsvorsitzende - der neue E.ON-Chef heißt Dr. Wulf Bernotat. In seinen Ausführungen ließ Hartmann die letzten zehn Jahre Revue passieren - Fazit: E.ON sei heute ein hervorragend aufgestellter Weltkonzern.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Wechsel an der Spitze des E.ON-Konzerns: Nach exakt zehn Jahren als Vorstandsvorsitzender hat Ulrich Hartmann im Rahmen der ordentlichen Hauptversammlung der E.ON AG am Mittwoch vergangener Woche das Amt an seinen Nachfolger Dr. Wulf Bernotat übergeben. In den vergangenen drei Jahren hatte Hartmann die Geschicke des Unternehmens gemeinsam mit Prof. Wilhelm Simson geleitet, dessen Mandat ebenfalls zum 30. April endete. Hartmann, der künftig als Vorsitzender des E.ON-Aufsichtsrates tätig sein wird, blickte zufrieden auf das vergangene Jahrzehnt zurück: Die Zusammenführung von VEBA und VIAG sei erfolgreich verlaufen, der im Sommer 2000 aus der Taufe gehobene E.ON-Konzern heutzutage erfolgreich aufgestellt. "E.ON ist ein großartiges Unternehmen mit einer glänzenden Zukunft", so Hartmann.

"Ziele im Wesentlichen erreicht"

In seiner letzten Rede als Vorstandsvorsitzender der E.ON AG machte Hartmann darauf aufmerksam, dass man knapp drei Jahre nach der VEBA-VIAG-Fusion alle strategischen Ziele "im Wesentlichen" erreicht habe. Durch internes Wachstum und durch Akquisitionen habe sich E.ON als international führender Energiekonzern mit den beiden starken Säulen Strom und Gas aufstellen können. Hingegen habe man Geschäftsfelder, die nicht zum Kerngeschäft gehören, erfolgreich abgeben können. Nicht zuletzt habe E.ON "wesentliche Impulse zur Neuordnung der Energie-, Chemie- und Kohleindustrie" in der Bundesrepublik gegeben. Die erfolgreiche strategische Neuausrichtung des Konzerns manifestiere sich dabei nicht nur in den Rekordzahlen des abgelaufenen Geschäftsjahres - mit einer Dividende von 1,75 Euro je Aktie für das Jahr 2002 sei E.ON gegenwärtig ein "herausragender" Börsenwert, so Hartmann.

Während seiner Rede ließ Hartmann die vergangene Dekade Revue passieren, wobei er die jüngste Unternehmensgeschichte in zwei Phasen einteilte: Von 1993 bis 1998 habe man bewiesen, dass ein Konglomerat erfolgreich sein könne; von 1998 bis heute indes habe man die Chancen der Liberalisierung genutzt und mit E.ON einen Energie-Weltkonzern geschaffen.

Liberalisierung war "Zeitenwende"

Anfang der 90er Jahre, führte Hartmann aus, seien VEBA und VIAG zwei breit diversifizierte Unternehmen gewesen. Beide Unternehmen hätten sich später auf ihre Kernkompetenzen konzentriert und die Zahl ihrer Geschäftsfelder verringert - eine gute Ausgangsbasis für die Liberalisierung des deutschen Energiemarktes im Jahr 1998, die der scheidende E.ON-Chef als "Zeitenwende" bezeichnete.

Durch den Zusammenschluss beider Unternehmen sei eine starke Kraft in Deutschland entstanden - erfolgreich deshalb, weil die Fusion "systematisch und mit hohem Tempo" vollzogen worden sei. Auch "menschlich" habe es gestimmt, wandte sich Hartmann dankend an den vormaligen VIAG-Chef Simson.

E.ON heute die führende deutsche Energiemarke

Im Sommer 2000 dann habe man E.ON mittels einer Aufsehen erregenden Werbekampagne "auf die Bühne gestellt" - auch das mit nachhaltiger Wirkung, denn mittlerweile sei E.ON die Energiemarke Nr. 1 und eine der bekanntesten Marken in Deutschland. Der Etablierung auf dem deutschen Markt folgte die inner- und außereuropäische Expansion, unter anderem durch die Übernahme des britischen Versorgers Powergen, die dem Konzern bekanntlich zugleich den Einstieg in den US-amerikanischen Markt ermöglichte.

Mit dem Erwerb von Ruhrgas habe man auch das Gasgeschäft des Konzerns "in ganz neue Dimensionen" geführt. "Wie viele andere in Deutschland mussten auch wir in diesem Fall erleben, dass notwendige und richtungsweisende Veränderungen in diesem Land fast nicht möglich sind", erinnerte Hartmann an das - O-Ton - "bisweilen nervenaufreibende kartellrechtliche Schauspiel" der vergangenen Monate. Nun aber spiele E.ON im zusammenwachsenden europäischen Strom- und Gasmarkt eine entscheidende Rolle.

Schelte für rot-grüne Bundesregierung

Hinsichtlich der politischen Rahmenbedingungen sparte Hartmann in seiner "Abschiedsrede" als Vorstandsvorsitzender nicht mit Kritik an der rot-grünen Bundesregierung. Der Ausstieg aus der Kernenergie und die Zurückdrängung fossiler Energieträger seien zwar "ehrbare Ziele", allerdings liege ihre Wirtschaftlichkeit "in weiter Ferne". Die Küche, so Hartmann "bleibe häufig kalt, wenn der Wind nicht gerade weht oder die Sonne nicht gerade scheint. Wenn der Strom aber dann mal fließt, kostet die Kilowattstunde dann mindestens das doppelte bis Vierfache". Nicht zuletzt sei es auch die Bundesregierung gewesen, die dem Bürger wieder das Geld aus der Tasche nehme, das man durch die Liberalisierung zunächst gewonnen hatte.

Energiefragen, so Hartmann weiter, seien Lebensfragen industrieller Gesellschaften - und solche könnten "nur auf der Grundlage eines breiten gesellschaftlichen Konsenses gelöst werden". Dieser Konsens aber sei gefährdet. "Ich sage ganz offen: Wir haben im Umgang mit den Grünen und Teilen der SPD-Fraktion einen Punkt erreicht, an dem der Begriff 'Heimatmarkt' seinen vertrauten Klang verliert".

"Bernotat wird E.ON weiter voranbringen"

E.ON sei in der Lage, auch künftig die Chancen des Umbruchs für internes und externes Wachstum zu nutzen, schloss Hartmann seine Rede. "Ich bin mir ganz sicher, dass Herr Bernotat gemeinsam mit den Kollegen des Vorstandes unser Unternehmen weiter erfolgreich voranbringen wird", schloss Hartmann seine Rede.