Arbeiten begonnen

Schacht Konrad wird zum Atommüll-Endlager umgerüstet

Die Umrüstarbeiten des stillgelegten Erzbergwerks Schacht Konrad in der Nähe von Salzgitter haben begonnen, denn in fünf Jahren soll der Schacht zum Endlager für Tausende Container mit schwach- und mittelradioaktivem Atommüll werden. Doch aufgrund der kürzlichen Vorkommnisse in Asse II ist die Bevölkerung verängstigt.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Salzgitter-Bleckenstedt (ddp/sm) - Die Frage nach der Endlagerung von radioaktiven Abfällen steht seit den Vorkommnissen im Atommülllager Asse II bei Wolfenbüttel wieder ganz oben auf der politischen Tagesordnung. Vor einigen Tagen war bekanntgeworden, dass in dem Forschungsbergwerk radioaktive Salzlauge lagert, die die zulässigen Grenzwerte um das Acht- bis Neunfache überschreitet. In Berlin wurde deswegen kurzfristig ein Krisengipfel mit Spitzenpolitikern des Bundes und des Landes Niedersachsens anberaumt.

Die Probleme in Asse schüren auch Ängste bei der Bevölkerung in Salzgitter. "Natürlich sagen die Menschen jetzt: Wir haben schon einmal gehört, dass alles sicher ist", sagt der Präsident des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König. Er nehme die Vorgänge in Asse "unwahrscheinlich ernst". Auch wenn das BfS für Asse nicht zuständig sei, "ist es derzeit außerordentlich schwierig, Glaubwürdigkeit aufzubauen und zu erhalten", schildert König die Situation.

BfS-Präsident: "Erhebliche Unterschiede" zu Asse II

Asse biete viele Beispiele, wie man es nicht machen sollte, sagt der BfS-Präsident weiter. Allerdings gebe es erhebliche Unterschiede zwischen den beiden Bergwerken. So habe das Salz, in das die Abfälle in Asse eingelagert sind, zwar die positive Eigenschaft, den Müll hermetisch abzuriegeln. Dadurch könne es aber anders als im Erz auch zu unerwünschten Reaktionen mit dem eingelagerten Material kommen.

Ein weiterer Vorteil von Schacht Konrad gegenüber Asse ist laut König die größere Standsicherheit des Gesteins aufgrund seiner geringeren Durchsetzung mit Stollen. Eine besondere Rolle spielt seit dem Salzlaugenfund die Frage eines möglichen Eindringens von Wasser in die Stollen. "Schacht Konrad ist außergewöhnlich trocken", erläutert König. Vom Grundwasser sei der Einlagerungsbereich durch eine rund 400 Meter dicke Tonschicht abgeschirmt.

Umweltschützer zweifeln an Sicherheit

Genau diese Langzeitsicherheit stellen Naturschützer jedoch in Frage. "Dafür gibt es keine gesicherte Prognose", sagt der Atomexperte des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Thorben Becker. Zudem kritisiert er, dass mit der Genehmigung von Schacht Konrad die Idee eines einzigen Endlagers für schwach-, mittel- und hochradioaktiven Atommüll fallengelassen wurde. Ein Konzept, für das sich die Koalition von SPD und Grünen laut Becker noch stark gemacht hatte. "Mit der Genehmigung von Schacht Konrad wird das Problem des hochradioaktiven Mülls auf die lange Bank geschoben", gibt er zu bedenken.

Deswegen setzt sich der BUND nach Angaben des Atomexperten für die Suche nach einem neuen Endlager ein, das alle Arten von radioaktiven Abfällen aufnehmen kann. Eine Genehmigung für ein solches Endlager dürfe jedoch erst erteilt werden, wenn alle Atomkraftwerke abgeschaltet seien, meint Becker. "Denn erst dann steht überhaupt fest, für welche Menge es ausgelegt sein muss", argumentiert er.

Dass ein Endlager Konrad keine Lösung für das Problem des radioaktiven Abfalls insgesamt ist, räumt auch BfS-Präsident König ein. Zumindest aber werde durch die Inbetriebnahme 2013 ein anderes, unmittelbares Problem entschärft, das der Zwischenlagerung. "Die zwischengelagerten Abfälle sind nicht nur eine potenzielle Gefahr für die Umwelt", die Verantwortung für den radioaktiven Müll werde damit auch an nachfolgende Generationen weitergegeben.

Im Mai hat das BfS in Salzgitter-Lebenstedt eine Infostelle zum Endlager Konrad eingerichtet. Sie soll Anlaufpunkt für besorgte Anwohner sein. Wie groß die Skepsis hinsichtlich der Sicherheit von Atommüll-Lagerstätten ist, symbolisiert ein Schild, das Atomkraftgegner an der Zufahrtsstraße zu Schacht Konrad aufgestellt haben: "Asse II: 20 km" ist darauf zu lesen. Und zu sehen ist ein auf einer Welle schwimmendes Atommüll-Fass.