Debatte

Salzstock Gorleben darf weiter erkundet werden

Wenige Stunden nach der Ankunft des Castor-Transports in Gorleben hat das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) grünes Licht für die Weitererkundung des dortigen Salzstocks als mögliches Endlager gegeben. Unterdessen entbrannte ein parlamentarischer Streit über Alternativen zu Gorleben.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Frankfurt (Main) / Hannover (dapd/red) - Der niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) befürwortete in der "Frankfurter Rundschau" (Mittwochausgabe) grundsätzlich den Vorschlag der Umweltschutzorganisation Greenpeace, als möglichen weiteren Standort für die Zwischenlagerung von Atommüll auch die Eignung der Zwischenlager an süddeutschen Atomkraftwerken wie Biblis in Südhessen oder Philippsburg in Baden-Württemberg zu prüfen.

Die hessische Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) reagierte prompt ablehnend und schloss eine Lagerung in Biblis aus. Das baden-württembergische Umweltministerium räumte dem Vorschlag allein aus Kapazitätsgründen "wenig Chancen" ein.

Ohne Biblis oder Philippsburg beim Namen zu nennen, sagte Sander in dem Zeitungsinterview, der Vorschlag von Greenpeace "wäre eine Möglichkeit, die man durchaus prüfen sollte". Der Protest wäre bestimmt weitaus geringer, sagte der FDP-Politiker mit Blick auf die kürzeren Wege des aus Frankreich kommenden Atommülls durch Deutschland. "Das würde Niedersachsen entlasten, das mit den Castor-Spektakeln eine ungeheure Last zu tragen hat", sagte Sander weiter. Allerdings sei auch dies keine dauerhafte Lösung für das Problem des Atommülls.

Es müsse mit Hochdruck geklärt werden, ob der Salzstock in Gorleben für das Endlager geeignet sei. Wenn das nicht der Fall sein sollte, müsse eine neue Suche beginnen, forderte der niedersächsische Umweltminister. "Und zwar in allen Bundesländern, in denen es geologisch geeignete Standorte gibt, also auch in Bayern und Baden-Württemberg", fügte Sander hinzu. Denn es stehe fest, dass für die Entsorgung der Bund zuständig sei und nicht das Land Niedersachsen.

Grüne und Linke sprechen von St.Florians-Prinzip

Die hessische Umweltministerin Puttrich wies in Wiesbaden die Forderung zurück, bei der Suche nach weiteren Zwischenlagern auch Biblis als Standort in den Blick zu nehmen. "Die Genehmigung des Zwischenlagers in Biblis lässt die Lagerung von Castoren mit Abfällen aus der Wiederaufbereitung nicht zu", sagte die CDU-Politikerin in Wiesbaden. Auch sei an dem bestehenden Lagerkonzept für Brennelemente nicht zu rütteln, fügte Puttrich hinzu.

Grüne und Linke kritisierten die Haltung der CDU-Ministerin mit deutlichen Worten. Die umweltpolitische Sprecherin der Linken-Fraktion im Landtag, Marjana Schott, warf Puttrich ein Vorgehen nach dem Sankt-Florians-Prinzip vor: "Atommüll produzieren, aber bitte nicht in Hessen lagern". Ursula Hamann von den Grünen kritisierte, die Umweltministerin mache es sich sehr einfach. Einerseits trete sie für längere Laufzeiten und damit mehr Atommüll ein. Andererseits sei ihre Devise für den radioaktiven Abfall: "Ab ins Wendland".

Das baden-württembergische Umweltministerium erklärte, in den südwestdeutschen Kernkraftwerken gebe es keine Reservekapazitäten, um zusätzlichen Atommüll aus La Hague oder Sellafield aufzunehmen. Die Zwischenlager an den Atomkraftwerken seien so bemessen, dass nur die radioaktiven Abfälle des jeweiligen Standorts gelagert werden könnten. "Wir sehen deshalb keine großen Chancen für den Vorschlag des niedersächsischen Umweltministers", sagte ein Ministeriumssprecher. Sollte die Endlagererkundung ergeben, dass Gorleben nicht geeignet sei, werde man sich bei einer neuen Suche auch einer Einbeziehung von Baden-Württemberg "nicht vollends entziehen", sagte der Sprecher weiter.