Ökotrend

Sachsens Stadtwerke wollen Kunden mit neuen Umweltpaketen halten

Stadtwerke in Sachsen bemerken eine steigende Nachfrage nach Ökostrom und reagieren mit entsprechenden Angeboten. Für einen kompletten Umstieg auf Ökostrom würden die Anlagen jedoch nicht ausreichen. Naturstromanbieter kritisieren, dass die Stadtwerke den Strommix nur umverteilen.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Dresden (ddp-lsc/sm) - Sachsens Stadtwerke sind Katja Henschler ein Dorn im Auge. Die Juristin bei der Verbraucherzentrale findet deren Strompreise weit überhöht. Sie rät zum Wechsel, immer öfter mit Erfolg. Dabei hilft ihr die jüngste Verteuerungsrunde in vielen Gegenden zum 1. Oktober sowie der allgemeine Trend zum Umweltbewusstsein. Jeder achte Verbraucher beziehe inzwischen Ökostrom, rechnet Henschler vor. "Wir wollen das auch forcieren." Der "saubere Strom" koste inzwischen nur noch bis zu zwei Euro pro Monat mehr als herkömmlicher.

Sächsische Stadtwerke spüren die Nachfrage und reagieren mit Naturstrom-Angeboten. Die DREWAG hat ab dem 1. Januar 2008 das Paket "Dresdner Strom Natur" neu im Angebot. Es soll laut einer Sprecherin nur "geringfügig teurer" sein. Die umweltfreundlich hergestellte Energie wird über Vorlieferanten eingekauft. Auch in Leipzig soll es ab Januar ein "neu aufgelegtes Produkt mit Umweltaspekt" geben. Mehr wird noch nicht verraten.

In Chemnitz gibt es ein solches Angebot bereits. Die Kilowattstunde Ökostrom kostet dort einen Cent mehr als die Energie aus gemischten Quellen. Bei der Zwickauer Energieversorgung (ZEV) sucht man nach eigenen Angaben für ein ähnlich preisgünstiges Angebot noch nach einem Energielieferanten, der den Ökostrom aber ausschließlich in Deutschland herstellt.

Die umweltfreundlich produzierte Energie kaufen die Stadtwerke überwiegend von Vorlieferanten zu. Ihr Anteil an der Strommischung beträgt bei den vier befragten Stadtwerken zwischen 13 und 15 Prozent. Den Großteil ihres Kontingents produzieren die Konzerne selbst - jedoch meist aus fossilen Energieträgern wie mittels Kraft-Wärme-Kopplung aus Erdgas in Dresden oder Braunkohle in Chemnitz.

Geld für Ökostrom muss in neue Anlagen fließen

Dennis Dührkoop vom Düsseldorfer Anbieter Naturstrom warnt davor, dass manche Anbieter ihre Kunden nur umverteilen, also den einen Verbrauchern gegen Aufpreis den reinen Ökostrom aus ihrem ohnehin vorhandenen Kontingent verkaufen und die anderen dann eben mit mehr Energie aus fossilen Stoffen und Atomkraftwerken beliefern. Verbraucher, die etwas für die Umwelt tun wollen, müssten sicherstellen, dass ihr Geld für den Ökostrom auch in den Bau neuer umweltfreundlicher Anlagen fließe, rät er. Nur so erhöhe sich langfristig der Anteil der erneuerbaren Energie.

Zwar komme aus der Steckdose immer der gleiche Strom, fügt Henschler hinzu. Der Ökostrom-Anbieter gewinne durch neue Verträge aber Marktanteile. Wenn mehr Verbraucher Ökostrom bezögen, steige auch der Anreiz, mehr Strom aus erneuerbaren Energien zu produzieren.

Das Konzept von Naturstrom jedenfalls, der als einer der vier wichtigsten umweltfreundlichen Anbieter auf dem deutschen Markt gilt, hat Erfolg: "Im vergangenen Jahr hat sich unser Kundenwachstum verzehnfacht", schildert Dührkoop. Besonders viele Neuverträge habe man in Mitteldeutschland und um Berlin abgeschlossen.

Stadtwerke: Komplettumstieg auf Ökostrom nicht denkbar

Trotz des spürbaren Trends ist es für die Stadtwerke nicht denkbar, künftig komplett auf Ökostrom umzustellen. Dafür reichten die Anlagen zur erneuerbaren Energieversorgung noch nicht aus, gibt Carola Wulst von den Stadtwerken Chemnitz zu bedenken. Außerdem müsse ihr Unternehmen per Kraft-Wärme-Kopplung die ganze Stadt mit Fernwärme versorgen. Die ZEV als einziger befragter Versorger, der seinen kompletten Strom zukauft, will sich nicht ausschließlich von erneuerbaren Energiequellen abhängig machen. Zu groß seien die Risiken, dass Sonne oder Wind ausfielen und man woanders teuren Strom kaufen müsse.