Strom von der Weide

Sachsens Kommunen und Unternehmen senken Energiekosten

In sächsischen Kommunen und Unternehmen gewinnt das Einsparen von Energie immer mehr an Bedeutung. "Energieeffizienz ist eine bedeutende heimische Energiequelle", sagte Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD), der vor allem kleine und mittelständische Betriebe bei der Suche nach Einsparpotenzialen stärker unterstützen will.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Zschadraß (ddp-lsc/sm) - Noch bezieht auch die kleine mittelsächsische Gemeinde Zschadraß ihren Strom zum großen Teil über Hochspannungsleitung, doch "Spätestens 2050 wollen wir in Sachen Energie autark sein", sagt Bürgermeister Matthias Schmiedel. Alle Wärme und Elektrizität, die in Wohnhäusern und öffentlichen Gebäuden verbraucht werden, "wollen wir dann selbst erzeugen". Schon jetzt deckt die Gemeinde 24 Prozent ihres Energiebedarfs selbst.

Unter Schmiedels Leitung ist die Gemeinde zur Musterkommune in Sachen Energiewende geworden. Auf den Dächern von Schule, Gemeindeverwaltung und Spritzenhaus wird Strom aus Sonnenkollektoren gewonnen; ein Bus, der Schulkinder und Sportgruppen transportiert, fährt mit Rapsöl; und im Keller des Gemeindezentrums steht eine Holzschnitzel-Heizung. Damit diese immer genug Brennstoff hat, werden Windbruch und Reisig gesammelt; ein Bauer im Ort pflanzt Weiden und Pappeln für die Holzgewinnung an. "Die Energie liegt im Ort", sagt Schmiedel, "man muss sie nur finden."

Immer mehr Kommunen und Unternehmen wollen auf alternative Energiequellen umsteigen und ihren Verbrauch reduzieren. "Energiekosten sind unser zweitgrößter Ausgabeposten", sagt Schmiedel: "Die wollten wir senken." Also wurde bei der Straßenbeleuchtung ebenso auf energiesparende Lösungen gesetzt wie beim Bau einer neuen Turnhalle: Der lichtdurchflutete Bau mit gewölbtem Holzdach wird zu einem großen Teil mit Sonnenenergie beheizt.

Auch Unternehmen denken um

Auch Firmen sind bestrebt, durch neue technische Lösungen die Ausgaben zu senken. Im Chemiebetrieb Wacker Nünchritz wird seit kurzem ein 188 Grad heißes Endprodukt nicht mehr aufwendig gekühlt. Die Wärme wird vielmehr genutzt, um Dampf zu gewinnen, der im Unternehmen vielerorts gebraucht wird und zuvor ausschließlich mit Erdgas erzeugt werden musste. Durch diese und ähnliche Innovationen hat der Betrieb seinen Bedarf an Energie drastisch reduzieren können, sagt der technische Leiter Johann Eibl: "Bald werden wir weniger Energie verbrauchen, als vor zehn Jahren" - und das, obwohl die Produktion auf 500 Prozent gesteigert wurde.

Hilfe bei Suche nach Sparpotenzialen

Die wirksamere Nutzung von Energie wird in Sachsen auch von der Politik gefördert: Ebenso wichtig wie der Umstieg auf alternative Energiequellen sei es, den Verbrauch von Strom und Wärme zu senken, so Wirtschaftsminister Jurk. Für kleine und mittlere Unternehmen bietet die Landesregierungen mit dem "Gewerbe-Energiepass" die Möglichkeit, Reserven beim Energiesparen zu suchen und zu erschließen. Die ersten 14 dieser Zertifikate wurden unlängst verliehen. Im Durchschnitt, erklärt die Sächsischen Energieagentur, könnten die Firmen den Verbrauch um 15 Prozent senken.

Noch höhere Einsparungen soll bald eine Brennstoffzelle erlauben, die bei der Firma RBZ aus Glaubitz bei Riesa entwickelt wird und mit der sich Strom und Wärme für Wohnhäuser, Hotels oder Schwimmbäder erzeugen lässt. Das Mini-Kraftwerk mit einer Leistung von fünf Kilowatt, in dem aus Erdgas zunächst Wasserstoff erzeugt wird, der dann in Energie umgewandelt wird, passt in jeden Keller und soll 30 Prozent Primärenergie einsparen. Die Geräte müssten allerdings zunächst in Feldversuchen getestet werden und seien mit Preisen von 18.000 Euro je Kilowatt noch zu teuer, räumt Geschäftsführer Sigmar Stöhr ein. Die Markteinführung sei ab 2012 vorgesehen.

Bis dahin muss Bürgermeister Schmiedel, der sich auch schon nach Einsatzmöglichkeiten für Brennstoffzellen in Zschadraß erkundigt hat, noch auf andere alternative Energien zurückgreifen. Das Geld, das die Gemeinde dafür ausgibt, ist gut angelegt: So soll künftig die Einspeisevergütung für den Sonnenstrom genutzt werden, um die Elternbeiträge im Kindergarten zu senken.