"Ökologisches Desaster"

Sabotage verursacht Ölpest in norditalienischem Fluss (Upd.)

Ein Sabotage-Akt in einer früheren Raffinerie hat in der Lombardei im Norden Italiens eine Umweltkatastrophe ausgelöst: Rund 600.000 Liter Öl flossen nach Angaben der Behörden vom Mittwoch in den Po und seinen Nebenfluss Lambro.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Rom (afp/red) - Hunderte Tiere seien bereits in dem über mehrere Kilometer reichenden Ölteppich verendet. Angesichts der verheerenden ökologischen Folgen will die Lombardei um die Ausrufung des Katastrophenzustands bitten, wie der Umweltbeauftragte der Region, Davide Boni, mitteilte. Die "gesamte Region und ihre Wasserwege" seien bedroht. Ein Notfallplan müsse getroffen werden, um die schädlichen Folgen für die Lombardei in Grenzen zu halten. Die Bevölkerung der betroffenen Gebiete wurde aufgerufen, kein Leitungswasser zu trinken. Der 652 Kilometer lange Po ist der größte Fluss Italiens.

In der Ex-Raffinerie nahe Monza nördlich von Mailand waren den Angaben zufolge am Dienstagmorgen von Unbekannten die Schleusen der Öllager geöffnet worden. "Das war ein krimineller Akt", erklärte der Präsident der Lombardei, Roberto Formigoni. Über die Motive der Täter konnte zunächst nur gerätselt werden. In der Präfektur von Mailand wurde ein Krisenstab eingerichtet.

Einsatzkräfte von Feuerwehr und Zivilschutz sowie freiwillige Helfer versuchten, Dämme gegen die Ölpest zu errichten. Zunächst scheiterten alle derartigen Versuche jedoch. Das Öl floss zunächst in den Lambro und von dort in den Po. Bei den verendeten Tieren handelte es sich den Behörden zufolge vor allem um Vögel.

Die wichtigste italienische Umweltschutzorganisation Legambiente sprach von einem "beispiellosen ökologischen Desaster", welches das Ökosystem noch lange Zeit belasten werde. Das Becken des Lambro galt bereits zuvor als eine der am meisten verschmutzten Gegenden Italiens.

Die Umweltschutzorganisation WWF äußerte sich zutiefst besorgt und sprach von einem "massiven Akt mutwilliger Umweltzerstörung". Das Öl habe eine "gefährliche Kettenreaktion" in Gang gesetzt, vielerorts in der Region seien durch die Verschmutzung die Kläranlagen ausgefallen, erklärte die deutsche Vertretung am Mittwoch. Auch der nahegelegene Naturpark könne durch die Ölpest in Mitleidenschaft gezogen werden.