Neues Abbaukonzept

Saarland: RAG will Kohlebergbau fortsetzen und Arbeitsplätze erhalten

Die RAG Deutsche Steinkohle will bis zum Jahr 2012 in deutlich reduzierter Form an der Kohleförderung im Saarland festhalten, auf den Abbau in Primsmulde Süd aber verzichten. Insgesamt sollen jedoch zwei Drittel der Arbeitsplätze im Bergbau erhalten bleiben und ein sozialverträglicher Ausstieg umgesetzt werden.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Saarbrücken (ddp/sm) - Am Wochenende informierten der RAG-Vorstand und Gewerkschaftsvertreter rund 5000 Mitarbeiter auf einer außerordentlichen Belegschaftsversammlung in Saarbrücken über die neuen Abbaupläne. Sollten diese Pläne von den Bergbaubehörden genehmigt werden, könnten nach Angaben des Unternehmens zumindest vorübergehend zwei Drittel der Arbeitsplätze im Bergbau erhalten bleiben. Ein konkretes Konzept für die Umsetzung will der RAG-Aufsichtsrat am 2. April beraten.

Nach den Plänen des Unternehmens soll auf einen weiteren Abbau in der Primsmulde Süd verzichtet werden. Von dort waren die Erderschütterungen und das schwere Beben vom 23. Februar ausgegangen, die zu einem vorläufigen Abbaustopp geführt hatten. Bei einem weiteren Abbau in diesem Feld könne eine Gefahr für Leib und Leben im Sinne des Bergrechts nicht ausgeschlossen werden, sagte RAG-Vorstandschef Bernd Tönjes am Samstag in Saarbrücken.

Statt dessen plant das Unternehmen einen Kohleabbau in den Flözen Grangeleisen und Wahlschied. RAG geht davon aus, dass durch Gutachten nachgewiesen werden kann, dass die Voraussetzungen des Berggesetzes für einen Abbau erfüllt werden. Das Unternehmen rechnet außerdem damit, dass sich in den jetzt geplanten Abbaufeldern vergleichbare Beben und Bergschäden vermeiden lassen.

Ministerpräsident Peter Müller (CDU) kündigte an, die RAG-Unterlagen für den geplanten Abbau in den Feldern Grangeleisen und Wahlschied würden schnellstmöglich unter der Maßgabe geprüft, dass dort ein Abbau ohne Gefahr für Leib und Leben erfolgen könne. Im Übrigen halte die Landesregierung an ihrem Ziel fest, die Beendigung des Bergbaus sozialverträglich zu gestalten. In den kommenden Tagen würden Gespräche mit allen Beteiligten geführt, um in einem "Solidarpakt Bergbau Saar" einen möglichst weitgehenden Konsens aller Beteiligten zu erreichen.

Die Industriegewerkschaft IG BCE bezeichnete die neuen Abbaupläne des Unternehmens als "ausgewogene Entscheidung". Damit werde das Unternehmen seiner Verantwortung für die Beschäftigten und die saarländische Wirtschaft gerecht, es schaffe zugleich Sicherheit für Leib und Leben über und unter Tage und vermeide Lieferengpässe für die saarländischen Kraftwerke, erklärten IG-BCE-Chef Hubertus Schmoldt und der Vorsitzende der Betriebsräte des Unternehmens, Ludwig Ladzinski.

Der Landesverband der Bergbaubetroffenen kritisierte, dass der Kohleabbau im Saarland weitergehen solle. Dies sei "völlig inakzeptabel". Auch die FDP forderte einen endgültigen Stopp des Kohleabbaus an der Saar.