Jetzt endgültiges Bergbau-Aus?

Saarland: Kohleförderung nach schwerem Erdbeben gestoppt

Nach dem bisher schwersten bergbaubedingten Erdbeben im Saarland droht der Steinkohleförderung in der Region das endgültige Aus. Bei dem Beben der Stärke 4,0 war am Samstagnachmittag zwar niemand ernsthaft verletzt worden, jedoch wurden zahlreiche Gebäude schwer beschädigt.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Saarlouis/Herne (ddp-nrw/sm) - Die saarländische Landesregierung ordnete einen vorläufigen, unbefristeten Förderstopp für das Bergwerk Saar an. Als Konsequenz stellte die RAG Deutsche Steinkohle AG 3600 Mitarbeiter frei. Tausende Beschäftigte müssen um ihren Job bangen.

In dem betroffenen Bergwerk bei Saarlouis werde lediglich eine Notbelegschaft von 100 Mann weiter Dienst verrichten, um die Sicherheit unter Tage zu gewährleisten, sagte ein Unternehmenssprecher am Sonntag. Über das weitere Vorgehen wolle RAG Deutsche Steinkohle AG heute mit der Landesregierung sprechen.

Ministerpräsident Peter Müller (CDU) hält ein endgültiges Aus der Kohleförderung an der Saar für denkbar. Es sei Sache von RAG, darzulegen, ob die Gefahr für Leib und Leben der Menschen zweifelsfrei beseitigt werden könne. Wenn dies nicht gelinge, sei aus seiner Sicht eine Wiederaufnahme des Bergbaus nicht möglich. Der Ministerpräsident zeigte sich zuversichtlich, dass sich aber genug Ersatzarbeitsplätze finden ließen, sollte RAG den Betrieb komplett einstellen müssen.

Zahlreiche Gebäudeschäden durch Erdbeben am Samstag

Die Erschütterungen in der Region um die Gemeinde Saarwellingen beschädigten zahlreiche Gebäude, ernsthaft verletzt wurde niemand. Im benachbarten Saarlouis kam es auch zu Stromausfällen. Einige Bewohner der Region klagten über gesundheitliche Auswirkungen wie Herzprobleme.

Mehrere Bewohner verbrachten die Nacht in Hotels. Deren Häuser sollten zunächst auf Standsicherheit geprüft werden, berichtete der Sprecher des Landesverbands der Bergbaubetroffenen, Peter Lehnert. Er sprach von "dramatischen Szenen", die sich abgespielt hätten. Menschen hätten weinend auf der Straße gestanden und Angst gehabt, in ihre Häuser zurückzukehren.

Bei der RAG Deutsche Steinkohle AG in Herne gingen mehr als 250 Schadensmeldungen ein. Die Polizei berichtete von Rissen an Hauswänden und Decken, abgebrochenen Kaminen und herabgefallenen Ziegeln. Am stärksten beschädigt wurde eine Kirche in Saarwellingen. Durch das Beben fielen schwere Mauerstücke des Kirchturms in den Eingangsbereich. Die Kirche durfte nicht mehr betreten werden, ist jedoch wohl nicht in ihrer Standfestigkeit gefährdet.

Ende des Kohlebergbaus gefordert

Bewohner der Region klagen schon seit Jahren über Schäden durch Bergbaubedingte Beben. Am Samstagabend kam es zu spontanen Demonstrationen. Weitere Protestaktionen waren für Sonntagabend und Montag geplant. Ministerpräsident Müller informierte sich noch am Samstag am Ort und Stelle über das Ausmaß der Schäden. Die Landesregierung kam zugleich zu einer Sondersitzung zusammen.

Der Landesverband der Bergbaubetroffenen forderte, der von der Regierung verhängte Abbaustopp müsse endgültig sein. Die Stimmung in der Region sei inzwischen "mehr als angespannt", der soziale Frieden nachhaltig gestört. Unterstützung für die Forderung kam von der Saar-FDP und den Grünen. Die FDP teilte mit, ein vorläufiger Abbaustopp reiche nicht aus. Der Abbau müsse dauerhaft und endgültig gestoppt werden «und das ab sofort".

Der Grünen-Fraktionschef im Landtag, Hubert Ulrich sagte, das Maß sei "jetzt voll". Man sei an einem Punkt angekommen, an dem Personenschäden in großer Zahl nicht mehr ausgeschlossen werden könnten. Aus Sicht von SPD-Landeschef Heiko Maas wird die Zukunft der Steinkohleförderung davon abhängen, ob die Ursachen des jüngsten Bebens geklärt und ob Gefahren für die Bevölkerung in Zukunft ausgeschlossen werden können.

In einer schriftlichen Erklärung entschuldigte sich RAG am Sonntag für die Folgen des Erdbebens und versprach Hilfe für die Betroffenen. Zugleich dementierte das Unternehmen Gerüchte, wonach ein Schachteinsturz in dem Bergwerk das Erdbeben ausgelöst habe. Am Dienstag sollen laut einem Bericht des Saarländischen Rundfunks Gutachter erste Erkenntnisse über die Ursachen des Bebens vorstellen.