Materialuntersuchung

RWE wusste angeblich bereits 1994 von brüchigen Leitungsmasten

Informationen der "Berliner Zeitung" zufolge, wissen RWE und Verantwortliche des Landes Nordrhein-Westfalen bereits seit mehr als zehn Jahren darüber bescheid, dass bei einem großen Teil der Masten eine erhöhte Bruchgefahr besteht. Damals wurden umfangreiche Materialprüfungen in Auftrag gegeben.

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Düsseldorf (ddp/sm) - Verantwortliche des Landes Nordrhein-Westfalen und des RWE-Konzerns sollen nach Medieninformationen bereits 1994 über die erhöhte Bruchgefahr eines Teils der Strommasten im Land informiert gewesen sein. Das berichtet die "Berliner Zeitung" (Dienstagausgabe) unter Berufung auf Werkstoffanalysen, die der Konzern nach Brüchen von Hochspannungsmasten Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre bei verschiedenen Instituten in Auftrag gegeben hatte.

Zu den von RWE beauftragten Instituten zählte dem Bericht zufolge 1994 das Staatliche Materialprüfungsamt in Dortmund. Dieses Institut sei seinerzeit im Wesentlichen vom Land Nordrhein-Westfalen finanziert worden, das mit dem Wirtschaftsministerium auch die Fachaufsicht stellte. Relevante Erkenntnisse der Materialprüfer seien dem Ministerium gemeldet worden, das auch für die Aufsicht über die Stromversorger verantwortlich sei.

Landeswirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) forderte nun beim Materialprüfungsamt einen "dezidierten" Bericht über die Untersuchungen an, wie ein Ministeriumssprecher am Dienstag auf Anfrage sagte. Die Ministerin wolle unter anderem wissen, was untersucht worden sei, wer den Auftrag für diese Prüfung erteilt habe und wem die Ergebnisse mitgeteilt worden seien. Das Ministerium hat nach Angaben des Sprechers derzeit keine eigenen Erkenntnisse über eine solche Prüfung.

RWE habe dem Dortmunder Prüfungsamt 1994 Stahlproben von bayerischen Strommasten zur Begutachtung vorgelegt, schreibt die Zeitung weiter. Dem Ergebnis zufolge sei der Zusammenbruch von 19 Masten auf "verminderte Bruchkräfte des Maststahls" zurückzuführen. Offen sei, wann und in welchem Umfang die Materialprüfer das Ministerium über dieses Ergebnis unterrichtet hätten.

Offiziell hat RWE bislang erklärt, erst seit 2000 über solche Erkenntnisse zu verfügen. Das Wirtschaftsministerium will erst nach dem Schneechaos im Münsterland von den Problemen mit den Masten aus so genanntem Thomasstahl erfahren haben. Nach heftigen Schneefällen waren Ende November im westlichen Münsterland mehr als 250 000 Menschen zum Teil mehrere Tage ohne Stromversorgung. 82 Hochspannungsmasten waren zuvor wegen starker Vereisung zusammengeknickt. 52 davon waren aus dem heute nicht mehr verwendeten Thomasstahl gebaut.