Nach Unfall

RWE will Sicherheit auf Kraftwerksbaustellen verbessern (Upd.)

Es war einer der schlimmsten Arbeitsunfälle im vergangenen Jahr in Deutschland: Bei Arbeiten am Neubau des größten Braunkohlekraftwerks der Welt in Grevenbroich-Neurath waren im Oktober 2007 drei Menschen ums Leben gekommen. RWE, der Betreiber des Kraftwerks, will jetzt mit Millionen-Investitionen weitere Unglücke verhindern.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Grevenbroich (ddp-nrw/sm) - Drei Arbeiter stürzten in die Tiefe, als Teile eines Gerüsts aus bislang ungeklärter Ursache zusammenbrachen. RWE will nun die Sicherheit auf Kraftwerksbaustellen verbessern, vor allem Mitarbeiter von Fremdfirmen müssten sorgfältiger handeln. Zugleich stehen die Ermittlungen zur Ursache des tödlichen Unfalls offenbar kurz vor dem Abschluss.

"Von 1000 RWE-Mitarbeitern verunglücken in unseren Kraftwerken oder an anderer Stelle pro Jahr statistisch gesehen 4,1", sagt RWE-Sicherheitsexperte Harald Gröner. Bei Fremdfirmen sähen die Zahlen leider "ganz anders aus". 70 von 1000 Mitarbeitern würden laut Statistik verunglücken, die Zahl sei fast zwanzig Mal so hoch. "Hier muss etwas passieren. Deshalb investieren wir mehrere Millionen Euro."

Computer-Quiz für Bauarbeiter

Um weitere tödliche Arbeitsunfälle zu verhindern, soll unter anderem ein Computer-Quiz eingesetzt werden. "Am Eingang zur Kraftwerks-Baustelle in Neurath wird künftig ein Computer-Terminal aufgestellt. An diesem Terminal muss jeder Mitarbeiter mehrere Sicherheitsfragen beantworten, bevor er Einlass erhält." Antwortet er mehrfach falsch, wird ihm der Zutritt verwehrt.

Kommt es zu mehreren derartigen Zwischenfällen, könne einer Fremdfirma sogar der komplette Auftrag entzogen werden. "Auch das ist in der Vergangenheit bereits passiert. Wenn wir merken, dass es Firmen mit der Sicherheit nicht so genau nehmen, müssen wir handeln", sagt RWE-Personalvorstand Erwin Winkel. Nach Auskunft eines Sprechers seien alleine in Neurath in den vergangenen Monaten mehr als 100 Arbeiter von der Baustelle verwiesen worden, weil sie Sicherheitsvorschriften nicht beachtet hätten.

Bei dem Computer-Terminal mit eingebautem Sicherheits-Quiz handelt es sich um ein Pilotprojekt. Die Fragen drehen sich rund um das Thema Arbeitssicherheit. Unter anderem werde gefragt, wann man einen Schutzhelm oder eine Sicherheitsbrille benötige. Wer falsch antworte, könne an einer Schulung teilnehmen oder müsse die Baustelle verlassen.

Die vom RWE beauftragten Fremdfirmen sehen die Millionen-Investitionen und das damit verbundene Quiz durchaus positiv. "Wir profitieren von den Möglichkeiten, die ein Konzern wie RWE hat", sagt Unternehmer Norbert Roskopf aus Aachen. "Durch diese Investitionen werden wir unseren Arbeitsschutz sicherlich verbessern können. Auch wenn die Möglichkeit besteht, dass unsere Mitarbeiter an den Terminals falsch antworten und nach Hause geschickt werden."

Der Computer beherrscht insgesamt zehn Sprachen - denn auf den RWE-Baustellen arbeiten nach Auskunft des Konzerns häufig Menschen aus etlichen Teilen der Welt. 70 RWE-Mitarbeiter sollen neben den Computern die richtige Anwendung der Vorschriften in der Praxis kontrollieren. "Sie sind ausschließlich als Sicherheitsfachleute bei uns angestellt", sagt Personalvorstand Winkel.

Weiter Suche nach Unglücksursache

Derweil läuft die Suche nach der Ursache für das schwere Unglück mit drei Toten weiter. Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach sowie mehrere Sachverständige sind mit der Aufklärung befasst. "Wir rechnen in vier bis sechs Wochen mit einem Ergebnis, was wir dann genau analysieren wollen"», erklärt Gröner.