Umstrittenes Projekt

RWE will Kohlekraftwerk in Ensdorf bauen

RWE hat sich endgültig für den Bau eines neuen Steinkohlekraftwerks im saarländischen Ensdorf entschieden. Der Genehmigungsantrag für das umstrittene Projekt wird den Angaben zufolge in den kommenden Wochen bei den zuständigen Behörden eingereicht, so das Unternehmen.

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Essen/Saarbrücken (ddp-rps/sm) - Nach den Plänen des Essener Energiekonzerns wird in Ensdorf eine 1600 Megawatt-Doppelblockanlage für rund zwei Milliarden Euro errichtet. Das Kraftwerk soll spätestens im Jahr 2012 in Betrieb gehen. Das Unternehmen betonte, durch das Bauprojekt würden mehr als 350 neue Arbeitsplätze entstehen.

Mit dem Neubau könne die saarländische Energiewirtschaft mittel- und langfristig abgesichert werden, sagte Wirtschaftsminister Hanspeter Georgi (CDU). Das Projekt sei als Ersatz für vom Netz gehende, weniger effiziente Altanlagen auf nationaler und regionaler Ebene zwingend notwendig. Georgi zufolge schafft RWE Power die Voraussetzungen für den Ausbau der umwelt- und ressourcenschonenden Wärmeauskoppelung an der Saarschiene und liefere mit den Investitionen einen wesentlichen Beitrag dazu, dass die deutschen Klimaziele erreicht werden können.

Die saarländische SPD befürwortet grundsätzlich den Neubau, will sich aber mit der geplanten Größenordnung nicht abfinden. Es müsse offen darüber gesprochen werden, in welcher Form das Kraftwerk gebaut werde, sagte SPD-Chef Heiko Maas. Auch müsse RWE dafür sorgen, dass mit dem Neubau die Abschaltung alter Anlagen einhergehe. Maas zufolge sollte das Objekt zu einem Modellkraftwerk ausgebaut werden und gleichzeitig der Ausbau der Fernwärmeschiene Saar wieder auf die Tagesordnung gesetzt werden.

Die Grünen hingegen kritisierten das Bauvorhaben als "Dinosaurierprojekt", das gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung durchgesetzt werden solle. Grünen-Fraktionschef Hubert Ulrich betonte, alle Anstrengungen zu Klimaschutz wie dezentrale und auf regenerative Energien aufbauende Konzepte würden durch das Megakraftwerk zunichtegemacht. Die Landesregierung könne nicht Klimaschutz und regenerative Energien predigen und gleichzeitig einem Großkonzern mit "einer gigantischen Dreckschleuder den Teppich ausrollen", sagte Ulrich.

Die Bürgerinitiative gegen den geplanten Neubau eines Großkraftwerkes in Ensdorf fürchtet gesundheitliche Beeinträchtigungen für die Bevölkerung und Wertverluste bei Immobilien. Vor dem Hintergrund des weltweiten Klimawandels sei es falsch, Kohlegroßkraftwerke zu bauen, die auf Jahrzehnte Mensch, Umwelt und Klima belasteten, kritisierte die Vorsitzende Jutta Krüger-Jakob. Für den Fall, dass der Bau genehmigt werde, kündigte ie juristischen und politischen Widerstand an. Krüger-Jakob forderte die Gemeinderäte in Ensdorf auf, gegen die notwendige Änderung des Flächennutzungsplanes zu stimmen und erinnerte daran, dass sich bereits die Gemeinden Bous, Saarlouis und Überherrn gegen das Projekt ausgesprochen hätten.