Bericht

RWE will Biblis B angeblich wieder hochfahren (Upd.)

Der Energiekonzern RWE dringt einem Medienbericht zufolge angeblich aus Sicherheitsgründen auf ein Wiederanfahren des derzeit abgeschalteten Atommeilers Biblis B. Demnach seien die neuen Brennelemente angeblich zu heiß, um sie anderweitig zu lagern. Das Umweltministerium wies dies zurück; die Opposition reagierte mit Empörung.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Biblis/Wiesbaden (dapd/red) - Die "Frankfurter Rundschau" (Montagsausgabe) berichtete, dass die AKW-Betreiber damit argumentierten, dass die zum Teil erst wenige Monate eingesetzten Brennelemente noch zu heiß seien, um sie im Reaktor-Abklingbecken oder in Castor-Behältern einzulagern. Das hessische Umweltministerium wies diese Behauptung als unzutreffend zurück. "Der Zustand der Brennelemente erzwingt keinen Weiterbetrieb", hieß es in einer Mitteilung. Die Opposition zeigte sich empört über das Verhalten des Konzerns. Am Montagabend gab RWE bekannt, dass auch aus Konzernsicht ein Wiederanfahren aus Sicherheitsgründen nicht erforderlich sei.

RWE: Lagerung in Castoren "nicht üblich"

Im Atomreaktor Biblis B waren Ende vergangenen Jahres noch viele Brennelemente erneuert worden. Damals war Kritik laut geworden, dass RWE durch einen vorzeitigen Austausch die Brennelementesteuer umgehen wollte, die seit 1. Januar 2011 fällig wird. Dem Zeitungsbericht zufolge behaupten die Konzerne nun, es sei sicherer, die neuen Brennstäbe weiter abzubrennen. Dafür müssten die Kraftwerke noch ein halbes Jahr oder länger weiterlaufen. Nach Angaben einer RWE-Sprecherin vom Montag sei es nicht üblich, noch nicht vollständig abgebrannte Brennstäbe in Castor-Behältern zu lagern. "Der Normalfall ist ein anderer", sagte sie. Aus Sicherheitsaspekten könne es durchaus sein, dass die Lagerung noch einmal geprüft werden müsse. Doch für den Standort Biblis sehe RWE diesbezüglich keine Probleme.

"Es geht nur um Profitinteressen"

Das Umweltministerium betonte, dass es keine technischen Probleme gebe, die Brennelemente innerhalb des Kraftwerks zu lagern. Eine Zwischenlagerung in Castor-Behältern sei auch möglich. Bei der Opposition sorgte der Zeitungsbericht für Entrüstung. "Es geht wieder einmal nur um die Profitinteressen von RWE", kritisierte die Grünen-Abgeordnete Ursula Hammann. Bei der Umsetzung der jahrzehntealten Auflagen für die Atomkraftwerke Biblis A und B sei es dem Stromkonzern nicht so sehr auf Sicherheitsaspekte angekommen. Die Grünen fordern die Landesregierung auf, sich endlich klar für eine endgültige Stilllegung des Atomkraftwerks auszusprechen.

Auch die SPD kritisierte, dass Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) jede Festlegung über die Zukunft von Biblis B vermeide. "Dabei ist es höchste Zeit, hier klar Position zu beziehen. Biblis A und B müssen dauerhaft abgeschaltet werden", betonte der SPD-Abgeordnete Norbert Schmitt. Er sieht in dem Zeitungsbericht eine weitere Kampfansage von RWE gegen die Politik.

"An Dreistigkeit kaum zu überbieten"

Die Linksfraktion schimpfte, das Vorgehen des Konzerns sei an Dreistigkeit nicht zu überbieten. "Atomkraftwerke aus Sicherheitsgründen weiterlaufen zu lassen - auf so eine absurde Idee muss erst einmal jemand kommen", sagte Linksfraktionschefin Janine Wissler. Sie fordert eine klare Ansage der Landesregierung.

Die beiden Atommeiler zählen zu den sieben ältesten Atomkraftwerken, die nach der Atomkatastrophe in Fukushima für drei Monate vom Netz genommen wurden, um sie auf ihre Sicherheit zu überprüfen.