Jahreszahlen

RWE verliert im vergangenen Jahr 250 000 Kunden (Upd.)

Der Essener Energie-Konzern RWE hat im vergangenen Jahr trotz der gestiegenen Preise einen Gewinnrückgang verzeichnet und 3,6 Prozent seiner Kunden verloren. Weitere Preiserhöhungen werden für das Frühjahr erwartet.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Essen (ddp/sm) - Der wegen seiner Preispolitik in der Kritik stehende Essener Energiekonzern RWE hat im vergangenen Jahr rund 250 000 Kunden verloren. Dies entspreche 3,6 Prozent der Gesamtkundenzahl, sagte RWE-Vorstandsmitglied Berthold Bonekamp bei der Bilanzpressekonferenz des Konzerns am Freitag. Nach Angaben Bonekamps bleiben die Strompreise bei den großen Regionaltöchtern RWE Rhein-Ruhr und RWE Westfalen Weser Ems bis Ende März 2009 stabil. Gaskunden müssten dagegen bereits in diesem Jahr mit Erhöhungen rechnen. "Wir werden im April unsere Position überprüfen müssen", sagte Bonekamp.

Trotz der gestiegenen Preise verzeichnete RWE im vergangenen Jahr einen Gewinnrückgang. Der Nettogewinn gab deutlich um 31 Prozent auf 2,66 Milliarden Euro nach, was aber im Wesentlichen auf den Verkauf des britischen Wasserversorgers Thames Water im Vorjahr zurückzuführen war. Bereinigt ergab sich mit 2,98 Milliarden Euro ein Plus von 21 Prozent. Das Betriebsergebnis kletterte um 15 Prozent auf 6,52 Milliarden Euro.

Trotz der hohen Belastungen aus der deutschen Netzregulierung und dem ungeplanten Kraftwerksstillstand in Biblis sei die Ertragslage weiter verbessert worden, erklärte der Konzern. Basis dafür sei der positive Trend der Stromerzeugung sowie ein außergewöhnlich gutes Handelsergebnis gewesen.

Im laufenden Jahr soll das bereinigte wie auch das unbereinigte Nettoergebnis um zehn Prozent ansteigen. Investitionen sollen unter anderem in den Bereich erneuerbare Energien fließen. "In etwa zehn Jahren werden wir europaweit zu den führenden Anbietern von Strom aus erneuerbaren Energien gehören, das heißt in der kleinen Spitzengruppe von maximal fünf Unternehmen", sagte der Vorstandsvorsitzende Jürgen Großmann. Zum Wachstum soll außerdem der Eintritt in neue Auslandsmärkte beitragen.

Großmann zufolge werden die verschärften Rahmenbedingungen im CO2-Emissionshandel und die weiteren Kürzungen der Netzentgelte das Ergebnis im laufenden Jahr mit mehr als 1,5 Milliarden Euro belasten. Er verwies darauf, dass die weitere Verknappung von CO2-Zertifikaten tendenziell auch zu einem nochmaligen Anstieg des Strompreises führe.

Nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) entscheiden sich die deutschen Stromkunden immer häufiger für neue Tarife und Produkte. Gut die Hälfte der rund 40 Millionen Haushalte hatte bis Ende 2007 den Grundversorgungstarif verlassen und ein neues Stromangebot gewählt, wie der Verband am Freitag in Berlin mitteilte. Ein Jahr zuvor hätten bereits 45 Prozent der Haushalte mindestens einmal den Tarif oder den Stromanbieter gewechselt. Beim Erdgas hätten bis Ende 2007 rund elf Prozent der privaten Verbraucher den Tarif oder den Anbieter gewechselt.