Rückzug

RWE verkauft Thames Water für 11,9 Milliarden Euro

Der Essener RWE-Konzern verkauft seine britische Wassertochter Thames Water an das Konsortium Kemble Water um die australische Bank Macquarie. Damit zieht sich das Unternehmen zugunsten des Energiesektors immer weiter aus dem Wassergeschäft zurück.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Essen (ddp/sm) - Der Verkaufspreis liegt bei 4,8 Milliarden Pfund (7,2 Milliarden Euro). Inklusive Schulden hat die Transaktion einen Wert von 8,0 Milliarden Pfund beziehungsweise 11,9 Milliarden Euro, wie der Versorger in der Nacht zum Dienstag mitteilte. Der RWE-Aufsichtsrat, der am kommenden Wochenende tagt, und die zuständigen Kartellbehörden müssen dem Verkauf noch zustimmen.

Die Transaktion umfasst den Angaben zufolge die Aktivitäten von Thames Water in Großbritannien sowie den wesentlichen Teil des internationalen Geschäfts des Unternehmens. Thames Water versorge acht Millionen Menschen mit Trinkwasser und reinige das Abwasser für 13 Millionen Menschen. Der Umsatz habe in Großbritannien im Geschäftsjahr 2005 bei 1,9 Milliarden Euro gelegen, der Betriebsergebnis bei 687 Millionen Euro. Wie angekündigt wurden die kontinentaleuropäischen Aktivitäten von Thames Water in RWE Energy integriert.

RWE rechnet durch den Verkauf mit einem Buchgewinn von mindestens einem mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Betrag. Die dem Unternehmen zufließenden Mittel sollen früheren Angaben zufolge teilweise an die Aktionäre ausgeschüttet werden. So hatte RWE im November 2005 angekündigt, nach Abschluss des Verkaufs von RWE Thames Water die Ausschüttungsquote für das Geschäftsjahr 2007 auf 70 Prozent bis 80 Prozent des nachhaltigen Nettoergebnisses anheben zu können.

Der Essener Versorger will sich nach eigenen Angaben auf das Gas- und Energiegeschäft konzentrieren. Wasseraktivitäten wie Thames Water oder die US-Tochter American Water sollten daher entweder an Privatinvestoren oder über einen Börsengang verkauft werden. Bei American Water befindet sich RWE derzeit in den Vorbereitungen für einen Börsengang. Die Veräußerung von Thames Water sei ein entscheidender Schritt bei der Umsetzung dieser Strategie, sagte der Vorstandsvorsitzende des Essener Versorgers, Harry Roels.

Neue Großakquisitionen seien dagegen nicht geplant, sagte eine Unternehmenssprecherin. Lediglich kleinere oder mittelgroße Übernahmen zur Abrundung des Portfolios seien denkbar.

Die im Börsen-Leitindex DAX notierten RWE-Aktien legten nach der Bekanntgabe des Thames-Water-Verkaufs im frühen Handel zunächst zu. Die Titel stiegen innerhalb einer Stunde von 77,40 Euro bis auf ein Tageshoch von 77,75 Euro. Die Aktien gaben die Gewinne im weiteren Handelsverlauf auch auf Grund eines schwachen Marktumfelds jedoch wieder ab. Am Nachmittag notierten die Anteilsscheine gegen 14.00 Uhr im Bereich um 77,50 Euro.

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