Zwist geht weiter

RWE und RAG streiten über Verkauf von Saar Ferngas

Hintergrund der Streitigkeiten vom Wochenende zwischen RAG und RWE ist der von der RAG geplante Verkauf ihres Saar-Ferngas-Paketes, das eigentlich an RWE gehen sollte. Unterdessen betonte ein RWE-Sprecher, man habe keinesfalls die Absicht, den RAG-Börsengang zu torpedieren.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Essen (ddp/sm) - Der mögliche Verkauf des Gasunternehmens Saar Ferngas an dem Stahlkonzern Arcelor Mittal sorgt für Verstimmung zwischen den beiden in Essen ansässigen Konzernen RWE und RAG. Die Unternehmen bestätigten am Sonntag Berichte, wonach RWE bereits den Aufsichtsratsvorsitzenden der RAG AG, Wulf Bernotat, eingeschaltet hat und eine außerordentliche Sitzung des Kontrollgremiums jetzt den Streit schlichten soll. Hintergrund ist der von der RAG geplante Verkauf ihres 77-prozentigen Paketes an der Saar Ferngas, das eigentlich an RWE gehen sollte. Das Bundeskartellamt hatte die Akquisition im März aber untersagt.

"Wir haben uns an den Vorsitzenden des RAG-Aufsichtsrates gewandt", sagte ein Sprecher des Energiekonzerns RWE AG am Sonntag zu Dow Jones Newswires - ohne jedoch Details hierzu zu nennen. Das Magazin "Der Spiegel" hatte zuvor berichtet, die beiden RWE-Vorstandsmitglieder Jan Zilius und Berthold Bonekamp hätten dem RAG-Vorstandsvorsitzenden Werner Müller vorgeworfen, weitreichende Beschlüsse ohne die eigentlich notwendige Zustimmung des Aufsichtsrates gefasst zu haben.

Auf die Vorwürfe habe Aufsichtsratschef Bernotat umgehend reagiert, berichtete der "Spiegel". Der Manager habe inzwischen eine Sonderaufsichtsratssitzung der RAG einberufen. Außerdem solle eine externe Anwaltskanzlei prüfen, ob die RWE-Vorwürfe zuträfen. Bei der Auseinandersetzung geht es dem Bericht zufolge um eine Vereinbarung zwischen RAG und dem luxemburgischen Stahlkonzern Arcelor, der wie RWE RAG-Anteile hält. Die RAG wies die Vorwürfe im "Spiegel" zurück.

Die RAG bestätigte am Sonntag die geplante außerordentliche Sitzung. Eine Sprecherin des Mischkonzerns sagte zu Dow Jones Newswires, der Sachverhalt stelle sich aus Sicht des RAG-Vorstandes anders da. "Wir begrüßen deshalb auch, dass es eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung geben wird", sagte die Sprecherin. Dies gebe dem RAG-Vorstand die Chance, das Thema "erneut und sehr präzise" darzulegen.

Zuvor hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Samstagausgabe) berichtet, dass die Börsenpläne Müllers vor dem Scheitern stünden. Die Zerschlagung der RAG und somit der Einzelverkauf von Tochtergesellschaften wie dem Chemiekonzern Degussa und dem Stromproduzenten Steag werde nicht nur geprüft, sondern von der Landesregierung in Nordrhein-Westfalen auch befürwortet. Der nordrhein-westfälische Regierungssprecher Andreas Krautscheid wies den Bericht zurück. Die Landesregierung bleibe bei ihrer Position, dass sie den Börsengang wolle, betonte er.

Durch verschiedene Gutachten wurde dem Bericht zufolge bisher festgestellt, dass die Finanzierung des im Februar beschlossenen Auslaufmodells für den subventionierten Steinkohlebergbau durch einen Börsengang als unter Risiko- und Erlösaspekten vorteilhafteste Lösung angestrebt werden soll. Bei der Kohlerunde in dieser Woche sei aber eine neue Prüfung über den Verkauf der RAG-Beteiligungen angeordnet worden, berichtete das Blatt unter Berufung auf Teilnehmerkreise.

Arcelor Mittal hält 6,5 Prozent der RAG-Anteile, die RWE rund 30 Prozent. Beide Unternehmen müssen dem geplanten Börsengang der RAG-Industriesparten zustimmen, sollte dieser wie von Müller geplant zustande kommen. Ein RWE-Sprecher betonte am Wochenende gegenüber Dow Jones Newswires, es könne keine Rede davon sein, dass RWE den geplanten Börsengang torpedieren wolle. RWE wolle diesen vielmehr weiter "konstruktiv und positiv begleiten".

RWE wies zugleich Berichte zurück, nicht nur eine Übernahme von Saar Ferngas, sondern des ganzen Energiegeschäfts der RAG, der Steag, anzustreben. Die Steag sei schließlich erklärtermaßen Teil der Aktivitäten, die die RAG an die Börse bringen wolle, sagte der Sprecher und fügte hinzu: "Wir haben keine Pläne für eine Übernahme der Steag."