Stromkonzerne am Pranger

RWE und E.ON wollen Preistreiber-Vorwürfe mit Gutachten entkräften

RWE und E.ON wehren sich gegen die Preistreiber-Vorwürfe. E.ON-Chef Bernotat kündigte an, mit einem unabhängiges Gutachten die Vorwürfe entkräften zu wollen. Wirtschaftsminister Glos hat den Stromkonzernen derweil mit verstärkten Preiskontrollen gedroht, auch das Bundeskartellamt hat sich eingeschaltet.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Der Essener RWE-Konzern wolle mit einem Wirtschaftsprüfer-Testat belegen, dass keine verfügbaren Kraftwerke vom Strombörsengeschäft ferngehalten wurden, um dadurch das Angebot an der Strombörse EEX künstlich zu verknappen, sagte ein Sprecher der "Berliner Zeitung". Ein Vergleich der Stromgroßhandelspreise in den Niederlanden, in Großbritannien, Frankreich, den skandinavischen Ländern und Deutschland der vergangenen beiden Jahren habe keine großen Abweichungen der deutschen Preise aufgewiesen. Das deutsche Strompreisniveau habe sich im unteren Mittelfeld bewegt.

E.ON-Vorstandschef Bernotat kündigte in der "Bild"-Zeitung eine "rückhaltlose Aufklärung der Vorwürfe" über ein Gutachten an. Er verwahrte sich gegen die Vorwürfe, die großen Stromversorger würden durch gezieltes Handeln die Preise an der Strombörse nach oben treiben. E.ON könne das schon deshalb nicht, weil das Unternehmen über die Börse mehr Strom verkaufe als es zukaufe. "Unser Anteil am Handel in Leipzig liegt bei unter zehn Prozent", sagte Bernotat.

Anschuldigungen von Verbraucherschützern, die Strompreise für die Privathaushalte seien teils drastisch überhöht, wies der E.ON-Chef ebenfalls zurück. Der Preisanstieg in den vergangenen Jahren sei auf andere Ursachen als die Unternehmenspolitik zurückzuführen. So sei der Staatsanteil am Strompreis um mehr als 60 Prozent gestiegen und auch die Rohstoffe zur Stromerzeugung hätten sich in den vergangenen zwei Jahren um mehr als 50 Prozent verteuert. Der Gewinnanteil "pro verkaufter Kilowattstunde" sei deutlich gesunken, so der E.ON-Chef weiter.

Glos kündigt Kartellrechtsnovelle an

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos kündigte in der "Bild"-Zeitung an, den Stromkonzernen künftig "besser auf die Finger" zu schauen: Dazu habe er bereits eine Novelle des Kartellrechts auf den Weg gebracht. Das Gesetz befinde sich bereits in der Abstimmung zwischen den Ministerien. Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) "blockiere" dieses Vorhaben bislang aber noch, sagte Glos.

Bundeskartellamtschef Ulf Böge will unterdessen dem Verdacht des Marktmissbrauchs nachgehen. Seine Behörde führe derzeit allerdings kein eigenes Verfahren durch. Es sei noch "viel zu früh, einen Marktmissbrauch zu behaupten" sagte Böge der "Financial Times Deutschland" (Mittwochausgabe). Dazu bedürfe es belastbarer Beweise.

Die Leipziger Energiebörse EEX hatte gestern die Manipulationsvorwürfe zurückgewiesen. Der Handel an der EEX laufe ordnungsgemäß ab und werde auch "hochgradig überwacht", sagte der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Hans-Bernd Menzel.