Zeichen der Zeit

RWE und E.on nehmen mehrere Kraftwerke vom Netz

Nachdem schon E.on am Dienstag angekündigt hatte, einige Kraftwerke zu schließen, teilte nun auch der Energieversorger RWE mit, mehrere Kraftwerke in Deutschland und in den Niederlanden vom Netz zu nehmen. Angesichts des ungebrochenen Solarbooms rechne sich der Betrieb vieler Kraftwerke nicht mehr.

Atomenergie© doncarlo / Fotolia.com

Essen/Düsseldorf (AFP/dpa-AFX/red) - Das teilte RWE am Mittwoch bei Vorlage seiner Quartalszahlen in Essen mit. Demnach nimmt das Unternehmen Anlagen mit einer Kapazität von 3100 Megawatt vom Netz; weitere Kraftwerke seien auf dem Prüfstand. Insgesamt erzeugen Kraftwerke von RWE nach Unternehmensangaben weltweit rund 50 Gigawatt, das sind 50.000 Megawatt. Die Energiewende reißt RWE immer tiefer in die Krise: Im ersten Halbjahr brach der Überschuss um fast 40 Prozent auf 979 Millionen Euro ein.

Gazprom-Zahlungen schönen die RWE-Bilanz

Die durchwachsene RWE-Bilanz wird noch von einem Sondereffekt geschönt. Ende Juni löste ein Schiedsgericht den langen Streit von RWE und dem russischen Gasriesen Gazprom über die Preise für russisches Gas. Das Urteil sieht eine Lockerung der starren Koppelung an den Ölpreis vor. Zudem erhielt RWE eine einmalige Kompensationszahlung, die sich nach früheren Angaben aus Unternehmenskreisen auf rund eine Milliarde Euro beläuft.

Konventionelle Anlagen werden immer unrentabler

Die wachsende Strommenge aus alternativen Energiequellen belastet die Stromkonzerne in Deutschland: Konventionelle Kraftwerke werden immer seltener gebraucht, um die Stromerzeugung zu stützen, das wachsende Angebot drückt zudem den Börsenpreis für Strom. Dadurch wird der Betrieb konventioneller Anlagen unrentabler. Auch Deutschlands größter Energieversorger E.on hatte am Dienstag die Stilllegung von Kraftwerken angekündigt.

Selbst hochmoderne Gaskraftwerke lohnen sich kaum

Insbesondere Gaskraftwerke lohnen sich derzeit kaum noch, was auch die Erträge im Gasspeichergeschäft unter Druck setzt. E.on-Chef Johannes Teyssen kündigte weitere Stilllegungen von Kraftwerken an, wenn sich die Rahmenbedingungen nicht besserten. Zuletzt hatte der Konzern ein erst vor zwei Jahren in Betrieb genommenes Gaskraftwerk in der Slowakei vom Netz genommen. E.on habe wirtschaftlich keine andere Wahl gehabt, sagte Teyssen.

Quelle: AFP