Personalabbau

RWE streicht 1.000 Stellen in der Braunkohlesparte

RWE sieht sich aufgrund der Klimaschutzpläne der Bundesregierung gezwungen, rund ein Zehntel seiner Braunkohleblöcke abzuschalten. Etwa 1.000 Stellen sollen deshalb in den kommenden Jahren abgebaut werden. Für den Konzern hätte es aber noch deutlich schlimmer kommen können.

RWE

Bergheim (dpa/red) - Der Energieriese RWE rechnet wegen der Klimaschutzpläne der Bundesregierung mit der Abschaltung von 10 bis 15 Prozent seiner Braunkohlekapazität im Rheinischen Revier. Davon seien nach jetziger Planung 900 bis 1.000 der insgesamt 10.000 Braunkohlejobs bei RWE betroffen, sagte Chef der Erzeugungssparte RWE Generation, Matthias Hartung, am Dienstag in Bergheim bei Köln.

Abzuschaltende Braunkohleblöcke noch nicht bestimmt

Nötige Personalanpassungen würden "fair und sozialverträglich" gestaltet. Welche seiner 20 Braunkohleblöcke RWE abschalten werde, sei noch nicht entschieden, sagte Hartung. Das hänge auch von den weiteren Vorgaben aus Berlin in der zweiten Jahreshälfte ab.

Koalition sieht Kapazitätsreserve und Abschaltung vor

Die Bundesregierung möchte laut ihrem Eckpunktepapier zur CO2-Minderung bundesweit Anlagen mit insgesamt 2,7 Gigawatt (GW) zwischen 2017 und 2020 in eine Kapazitätsreserve überführen, in der sie maximal vier Jahre bleiben dürfen. Danach gehen sie ganz vom Netz. RWE sei davon etwa mit der Hälfte, also 1,35 GW betroffen, sagte Hartung.

Personalabbau bis 2024

Für die Umsetzung des Personalabbaus bleibe damit Zeit bis längstens 2024, sagte der Generation-Personalchef Erwin Winkel. Das Durchschnittsalter der Belegschaft liege schon jetzt bei 49 Jahren. "Da kann man einiges mit Demografie abarbeiten."

RWE-Chef: Es geht ums Überleben

Der Gewinn von RWE aus dem Kraftwerksgeschäft ist laut Hartung weiter zurückgegangen: Das betriebliche Ergebnis im ersten Quartal 2015 sank im Vorjahresvergleich um 23 Prozent auf 428 Millionen Euro. 2013 waren es im ersten Quartal noch 745 Millionen Euro.

"Bei uns hat auch der letzte begriffen - unabhängig von Länder- und Spartengrenzen: Es geht ums Überleben", sagte Hartung. Ohne das interne Sparprogramm Neo wäre die Erzeugungssparte inzwischen in den roten Zahlen. In den nächsten Jahren würden die Kraftwerksgewinne wegen der gefallenen Börsenstrompreise noch weiter zurückgehen. "Für 2017/18 sehen wir die schwarze Null."

Hartung begrüßte die Entscheidung der Bundesregierung, auf den ursprünglich geplanten Klimabeitrag für ältere Kraftwerke zu verzichten. Nach einer Studie hätte das jährliche Mehrkosten von mehr als vier Milliarden und wegen der Verknappung des Angebotes eine spürbare Erhöhung des Strompreises gebracht. 17 von 20 RWE-Braunkohleblöcke wären laut Hartung von diesem Modell betroffen gewesen. Für die Kapazitätsreserve lägen die Aufwendungen dagegen nur bei rund 900 Millionen Euro. Dies sei ohne Brüche umsetzbar.

RWE hält an Braunkohlekraftwerk BOA-Plus fest

Hartung kündigte an, dass RWE trotz der momentan unrentablen Marktlage an den Plänen und am Genehmigungsverfahren für ein weiteres milliardenschweres Braunkohlekraftwerk (BOA-Plus) festhalten werde. Ein Weiterbetrieb werde grundsätzlich für alle Anlagen geprüft - auch für die beiden Blöcke des Kraftwerkes Frimmersdorf in Grevenbroich, sagte Winkel.

Die beiden Blöcke sind fast 50 Jahre alt. Sie sollten eigentlich nach den RWE-Planungen bis zum Ende des Jahrzehnts abgeschaltet werden. Die Landtagsgrünen fordern die Umwandlung des ganzen Areals mit einst 13 Kraftwerksblöcken in einen Gewerbepark. Nun könnten die beiden Anlagen möglicherweise im Reservemarkt sogar länger laufen als vom Unternehmen selbst zunächst vorgesehen.

Quelle: DPA