Milliardenabschreibungen

RWE steuert auf ersten Jahresverlust zu

Die Lage für RWE wird immer schwieriger. Weitere Abschreibungen auf den Kraftwerkspark sind nötig, das Unternehmen könnte zum ersten Mal seit Bestehen negative Zahlen schreiben. Insgesamt sind die Zukunftsaussichten für konventionelle Kraftwerkbetreiber im Zuge des EEG eher düster.

RWE© RWE AG

Essen (dpa-AFX/red) - RWE muss unter anderem als Folge aus der Energiewende neue Wertberichtigungen im Volumen von etwa 3,3 Milliarden Euro vornehmen. Mit 2,9 Milliarden Euro entfällt der Großteil davon auf die konventionelle Stromerzeugung zum Beispiel mit Kohlekraftwerken, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte.

Eine schwache Nachfrage und der immer größere Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung schwächen die Ertragslage nachhaltig. Die Dividende - erst im vergangenen Herbst halbiert - bleibt aber vorerst unberührt. Die Aktie fiel bis zum frühen Nachmittag in einem freundlichen Marktumfeld um mehr als ein Prozent und stand damit am Dax-Ende.

Erstes Verlustgeschäft überhaupt

Zusätzlich zu den Abschreibungen auf den Kraftwerkspark identifizierte RWE Wertberichtigungsbedarf beim Geschäft mit Erneuerbaren Energien und bei Beteiligungen. Alle Wertkorrekturen schlagen auf das Nettoergebnis des Konzerns durch. Dies hatte nach den ersten neun Monaten bei gut 600 Millionen Euro gelegen und damit nur noch ein Drittel des Vorjahreswerts betragen. Analysten erwarten jetzt einen Verlust für das abgelaufene Jahr. Equinet-Experte Michael Schäfer etwa rechnet mit einem Minus von etwa einer Milliarde Euro. Das wäre der erste Nettoverlust des Unternehmens überhaupt. Von RWE gab es dazu keinen Kommentar.

Marktentwicklung ist verantwortlich

"In ganz Europa stehen derzeit vor allem Erdgas- und Steinkohlekraftwerke unter einem hohen wirtschaftlichen Druck", sagte Konzernchef Peter Terium laut Mitteilung. RWE trage den "tiefgreifenden Veränderungen" der Rahmenbedingungen auf dem europäischen Erzeugungsmarkt Rechnung. Er kündigte an, die Kosten des Kraftwerksparks weiter zu senken, um so die Ertragskraft zu steigern.

Niedriges Preisniveau soll sich halten

Erst im Herbst hatte es Abschreibungen in Höhe von 1,4 Milliarden Euro gegeben, auch hier war der Kraftwerkspark betroffen. Dass es nun erneut zu den massiven Abschreibungen gekommen ist, liegt vor allem an den einbrechenden Preisen an den Großhandelsmärkten. Diese liegen nach Branchenangaben bei unter 40 Euro pro Megawattstunde. Damit sich aber beispielsweise der Betrieb eines Gaskraftwerks lohnt, wäre ein Preis von 55 Euro nötig. "In unserem Prüfprozess haben wir gesehen, dass wir davon ausgehen müssen, dass das Preisniveau an den Großhandelsmärkten in Europa langfristig niedrig bleiben wird", sagte eine Sprecherin.

Wertminderung gefährdet Unternehmensfinanzierung

Die Wertberichtigungen haben keine Auswirkungen auf das sogenannte nachhaltige Nettoergebnis. Dieses ist für die Dividende ausschlaggebend, die entsprechend unberührt bleibt, wie es hieß. Nachdem RWE erst im Herbst angekündigt hatte, die Ausschüttung von zwei auf einen Euro je Aktie zu halbieren, ist eine künftige weitere Kürzung nach Einschätzung von Analyst Schäfer erst einmal nicht wahrscheinlich. Abschreibungen schmälern jedoch das Eigenkapital eines Unternehmens. Hier hatte RWE zuletzt noch eine stabile Quote vorzuweisen. Wenn die Eigenkapitalquote jedoch zu stark fällt, gefährdet das in der Regel die Finanzierung eines Unternehmens.

Erneuerbare haben den Vorzug

Wind- und Sonnenenergie sind im Zuge der Energiewende so schnell gewachsen, dass sie theoretisch den deutschen Strombedarf an vielen Tagen allein decken könnten. Wegen des im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegten Einspeisevorrangs und der Festvergütungen weit über Marktniveau verdrängen die Erneuerbaren die konventionellen Kraftwerke. Diese stehen deshalb viel häufiger als geplant still und rentieren sich in vielen Fällen nicht mehr.