Talfahrt

RWE steht vor "schwierigem Weg"

Die Talfahrt des zweitgrößten deutschen Energiekonzerns RWE hält an. Dem Sparprogramm steht die Krise bei den unrentablen konventionellen Kraftwerken gegenüber, ebenso wie ein milder Winter, der den Gasabsatz belastete. Der Vorstand des Unternehmens rechnet auch für dieses Jahr nicht mit einer Trendwende.

RWE

Essen (dpa-AFX/red) - Im vergangenen Jahr sackte der betriebliche Gewinn von RWE weiter um ein Viertel auf rund vier Milliarden Euro ab, wie das Unternehmen am Dienstag in Essen mitteilte. Dabei verschärfte sich die Krise der klassischen Großkraftwerke. Wegen des durch den Ökostrom-Boom ausgelösten Verfalls der Strompreise im Großhandel sind sie immer unrentabler. Ihr Betriebsgewinn brach 2014 um weitere 29 Prozent ein. Hinzu kam die milde Witterung, die den Gasabsatz belastete. Das laufende Sparprogramm des Konzerns konnte das nicht wettmachen.

Nach einem Verlust von fast 2,8 Milliarden Euro 2013 stand unter dem Strich nun zwar wieder ein Gewinn von 1,7 Milliarden Euro. Das lag aber vor allem daran, dass RWE diesmal weniger außerplanmäßige Abschreibungen vornahm. Der um solche Effekte bereinigte sogenannte nachhaltige Überschuss ging um 45 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zurück, der Umsatz um 7,5 Prozent auf 48,5 Milliarden Euro. Mut macht dem RWE-Management, dass der Konzern schon im vergangenen Jahr seine Investitionen und die Dividende aus den Mittelzuflüssen der laufenden Geschäfte erwirtschaftete.

RWE will an konventionellen Kraftwerken festhalten

"Die Krise in der konventionellen Stromerzeugung setzt sich fort", sagte Vorstandschef Peter Terium. Die Rahmenbedingungen verschlechterten sich schneller als der Konzern gegensteuern könne. "Die wirtschaftliche Situation in der konventionellen Stromerzeugung ist dramatisch, und sie ist im vergangenen Jahr nicht besser, sondern schlechter geworden." Anders als Konkurrent Eon, der seine eigene Aufspaltung plant, will RWE am klassischen Geschäftsmodell festhalten und weiter praktisch in der gesamten Wertschöpfungskette der Strombranche von der Erzeugung bis zum Vertrieb präsent sein.

Die konventionelle Stromerzeugung werde nach Einschätzung von Experten auch im Jahr 2030 noch einen erheblichen Anteil von rund 50 Prozent an der deutschen Versorgung haben, sagte Terium. Inzwischen verdienten jedoch 35 bis 45 Prozent der Anlagen kein Geld mehr. "Bleibt es beim gegenwärtigen Preisniveau von rund 32 Euro je Megawattstunde, wird RWE Generation in nicht allzu ferner Zukunft einen betrieblichen Verlust ausweisen müssen", fürchtet Terium. Die Anlagen gelten als unentbehrlich für eine sichere Stromerzeugung etwa in wind- und sonnenlosen Zeiten. Die Strombranche fordert unter dem Stichwort "Kapazitätsmarkt" eine Vergütung für das Bereithalten von Kraftwerken.

Sparprogramm soll verschärft werden

Um das Ruder herumzureißen, verschärft RWE zudem sein Sparprogramm. Bis 2017 will der Konzern nun verglichen mit dem Startpunkt 2012 die Kosten um zwei Milliarden Euro drücken. Bislang lag die Vorgabe bei 1,5 Milliarden Euro. Die will der Konzern nun schon in diesem Jahr erreichen. Allein 2014 sank die Zahl der Mitarbeiter im Konzern auch durch verkaufte Geschäftssparten um gut 5100 auf knapp 59.800. "Wir erfüllen unsere Ziele schneller und besser als erwartet", sagte Terium.

Aber auch in diesem Jahr rechnet der Vorstand noch nicht mit einer Trendwende. Das betriebliche Ergebnis soll auf 3,6 bis 3,9 Milliarden Euro sinken. Bei dem um Sondereffekte bereinigten nachhaltigen Nettoergebnis stellte das Unternehmen 1,1 bis 1,3 Milliarden Euro in Aussicht. Laut "Rheinischer Post" könnte dieser Wert 2016 sogar auf 800 Millionen Euro sinken. Die Zeitung beruft sich dabei auf Aufsichtsratskreise. Im Geschäftsbericht für 2014 wagt RWE aber nur einen Ausblick auf dieses Jahr. "Vor uns liegt ein schwieriger Weg", stellte Terium darin fest.