Strategiewechsel

RWE: Statt "Atom-Dinosaurier" nun "Windkraft-Terium"

Der künftige RWE-Chef Peter Terium will die Position des zweitgrößten deutschen Energieversorgers bei erneuerbaren Energien deutlich ausbauen und setzt nun auf Windkraft, Wasser und Biomasse - ganz anders als sein häufig als "Atom-Dinosaurier" geschmähter Vorgänger Großmann.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Bremerhaven (dapd/red) - Terium kündigte am Montag in Bremerhaven an, der Energiekonzern wolle bis 2025 Hochsee-Windparks mit einer Gesamtkapazität von über 6.500 Megawatt errichten. Außerdem beabsichtige RWE sein Windportfolio an Land in Europa auf bis zu 5.000 Megawatt zu verdreifachen.

Eingeständnis und kritischer Rückblick

"RWE war ja lange Zeit nicht gerade die Spitze der Bewegung im Bereich der Erneuerbaren. Das hat sich geändert", sagte der Manager, der am 1. Juli die Leitung des Konzerns von seinem häufig als Atom-Dinosaurier kritisierten Vorgänger Jürgen Großmann übernimmt. Auch bei Wasserkraft, Biomasse und Photovoltaik will Terium wachsen.

Anlass für die Ankündigung war die Taufe des 100 Millionen Euro teueren Spezialschiffs "Victoria Mathias" durch Großmanns Ehefrau Dagmar Sikorski-Großmann. Das RWE-Schiff soll die Errichtung von Windkraftanlagen spürbar beschleunigen.

Spezialschiff soll Windkraft-Bau beschleunigen

Als weltweit erstes Schiff seiner Klasse kann es laut RWE bis zu vier Windturbinen der Multi-Megawattklasse gleichzeitig transportieren und anschließend in Wassertiefen von über 40 Meter errichten. Dazu verfügt es über ausfahrbare Stahlbeine, die auf dem Meeresboden für einen sicheren Stand sorgen. Außerdem besitzt das Schiff einen Kran mit 1.000 Tonnen Hebekraft.

Die Schiffstaufe sei für den Konzern der Startschuss in das Zeitalter kommerzieller Windkraftnutzung in der deutschen Nordsee, sagte Terium. Bereits im Sommer soll die "Victoria Mathias" die Fundamente für den Windpark Nordsee legen. Es ist eines der größten kommerziellen Windkraftprojekte vor der deutschen Küste.

Auch Wasserkraft und Biomasse im Blick

Rund 30 Kilometer nördlich von Helgoland will der Energiekonzern RWE mit 48 Windturbinen jährlich rund eine Milliarde Kilowattstunden Strom erzeugen, genug um etwa 300.000 Haushalte mit Strom zu versorgen. Die Baukosten für die Anlage mit ihren über 160 Meter hohen Windrädern beziffert RWE auf rund eine Milliarde Euro.

Doch will der Konzern auch seine Position bei anderen erneuerbaren Energien ausbauen. Gute Möglichkeiten sieht RWE auch für den Ausbau der Wasserkraft in Südosteuropa und für Biomasse.

Biomasse sei in der Lage, konventionelle Kraftwerke entweder zu ersetzen oder durch Zufeuerung umweltfreundlicher zu machen, sagte Terium. In den Niederlanden und Großbritannien sei RWE damit schon sehr erfolgreich. Im Deutschland gebe es aber bislang nicht die Rahmenbedingungen für eine Nutzung im großen Maßstab. Auch das Thema Photovoltaik werde vor allem für den Einsatz in Südeuropa und Nordafrika durch den Preisverfall für Solarmodule für RWE zunehmend interessanter, sagte Terium.

Vom neuen Umweltminister Peter Altmaier (CDU) erwartet der Manager nicht zuletzt eine konstruktivere Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsministerium. Er hofft, dass sich der Unionspolitiker schnell in die neue Aufgabe einarbeitet. "Wir haben keine Zeit zu verlieren." Dies gelte vor allem für den Netzausbau.