Wachstumskurs

RWE sieht sich ohne Zugzwang

Die Essener RWE gehört zu Deutschlands größten Stromkonzernen und sieht sich auch durch die vorgestern veröffentlichten Expansionspläne des Konkurrenten aus Düsseldorf nicht großartig unter Druck. Zudem kündigte der Versorger an, die Strompreise in diesem Jahr nicht weiter erhöhen zu wollen.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Essen (ddp.djn/sm) - Deutschlands größter Stromversorger RWE sieht sich durch die europäischen Expansionspläne seines Wettbewerbers E.ON nicht unter Druck. Mit Milliardeninvestitionen will aber auch der Essener Konzern in den nächsten Jahren seine Position als einer der führenden europäischen Strom- und Gasversorger ausbauen, wie Vorstandschef Harry Roels bei der Vorlage der Bilanz am Donnerstag in Essen ankündigte.

RWE erwarte durch die von E.ON geplante Übernahme des spanischen Versorgers Endesa keine Nachteile, betonte Roels. Mit der Übernahme würde der Düsseldorfer RWE-Konkurrent E.ON zum weltgrößten Anbieter von Strom und Gas werden. Als "zwischen Großbritannien und Bulgarien" gut aufgestellter Großversorger setze aber auch RWE in der Stammregion in den nächsten Jahren "klar auf Wachstum". RWE sei "kein Zuschauer", versicherte Roels.

Genug finanziellen Spielraum für Investitionen sieht RWE durch die im Zuge des angekündigten Ausstiegs aus dem britischen und US-amerikanischen Wassergeschäft frei werdenden Mittel. Diese sollen vor allem in die Stärkung des europäischen Strom- und Gasgeschäfts fließen. So will RWE laut Roels die Öl- und Gasförderung der RWE-Tochter DEA ausbauen, um die Abhängigkeit der europäischen Energiemärkte von politisch instabilen Regionen zu verringern. Zudem will der Konzern in das Geschäft mit Flüssiggas einsteigen, das den Gasvertrieb unabhängig von Pipelines macht.

Verstärkt will RWE vor allem in Osteuropa weiter wachsen, wo der Konzern nach eigenen Angaben schon jetzt der größte ausländische Investor ist. Konkrete Angaben zu möglichen Kaufobjekten machte Roels nicht. Zukäufe seien nur sinnvoll, wenn sie den "anspruchsvollen strategischen und finanziellen Kriterien" des Konzerns genügten. Seinen "hart erarbeiteten finanziellen Handlungsspielraum" werde RWE "nicht voreilig aufgeben", sagte Roels.

Insgesamt will RWE 2006 bis 2010 rund 17,5 Milliarden Euro in seine Kraftwerke, Versorgungsnetze sowie in die Öl- und Gasförderung investieren. Das seien 3,5 Milliarden Euro pro Jahr und damit eine Milliarde Euro mehr als bisher geplant, betonte Roels. Allein in Deutschland sollen in den nächsten fünf Jahren über zwei Milliarden Euro investiert werden. In diesem Zusammenhang mahnte Roels auch ein Festhalten an der Kernenergie an. "Es ist an der Zeit, ohne jegliche Scheuklappen über das Thema neu nachzudenken." Nach Einschätzung des RWE-Chefs hat der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine gezeigt, dass Deutschland nicht alles auf die "Karte Erdgas" setzen sollte. Seine Strompreise für Haushaltskunden will RWE im weiteren Verlauf dieses Jahres nicht erhöhen. Für die Gaspreise gelte dies nicht unbedingt, sagte Vorstandsmitglied Berthold Bonekamp. Hier müsse man die weitere Marktentwicklung abwarten.

Im Vorjahr hatte RWE sein Betriebsergebnis inklusive aller Sondereinflüsse um 4 Prozent auf 6,20 Milliarden Euro verbessert. Der Umsatz sank bedingt durch Verkäufe um ein Prozent auf 42 Milliarden Euro. Für 2006 plant RWE einen unveränderten Umsatz bei einem um fünf bis 10 Prozent steigenden Betriebsergebnis. Die Aktionäre sollen für 2005 eine um 17 Prozent auf 1,75 Euro je Aktie angehobene Dividende erhalten.

Von Frank Bretschneider