Statement

RWE sieht kaum Chancen für geringere Strompreise

Der zweitgrößte deutsche Energiekonzern RWE sieht nur geringe Chancen auf eine Preisentlastung deutscher Stromkunden. Damit reagiert der Konzern auf Äußerungen des E.ON-Finanzvorstands Schenck, wonach niedrigere Großhandelspreise zu sinkenden Preisen für Endkunden führen könnten.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Essen/Lingen (ddp/red) - "Kurzfristig kann die Erzeugung immer wieder mal günstiger werden, aber langfristig wird Energie teurer", sagte der Vorstandsvorsitzende Jürgen Großmann am Mittwoch im niedersächsischen Lingen.

Am Wochenende hatte der Finanzvorstand des größten deutschen Energiekonzerns E.ON, Marcus Schenck, in einem Zeitungsinterview sinkende Preise in Aussicht gestellt und als Grund die niedrigeren Großhandelspreise angeführt. Großmann wollte dieser Argumentation nicht folgen. Er verwies auf nicht erzeugungsabhängige Nebenkosten des Strompreises wie etwa der Umlage für erneuerbare Energien.

Auch eine mögliche Verlängerung der Atomkraftwerk-Laufzeiten wird laut RWE allenfalls den Preisanstieg bremsen. "Längere Laufzeiten würden nicht zu einer Senkung der Preise führen, sondern deren Anstieg verhindern", sagte Johannes Lambertz, Vorstandsvorsitzender der RWE-Erzeugungssparte.

Unterdessen müssen die großen deutschen Versorger aus der Sicht des Bundeskartellamtes keine Befürchtungen vor einer möglichen Zerschlagung haben. Die Energiebranche werde bei der Anwendung des von der Bundesregierung geplanten verschärften Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen nicht im Fokus stehen, sagte der Präsident des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt, in Berlin. Vor allem E.ON und RWE waren im Zusammenhang mit den Plänen für eine Entflechtung von Großunternehmen immer wieder genannt worden.

Mundt sagte, dass die deutschen Energiekonzerne im Vergleich zu anderen, staatlich dominierten Versorgungskonzernen in Europa eine akzeptable Größe hätten. "Angesichts eines zusammenwachsenden europäischen Energiemarktes werden wir vielleicht noch ganz froh sein, dass wir Energiekonzerne dieser Größe haben", fügte Mundt hinzu.